Insgesamt teilte der Bundestrainer Kahns Meinung jedoch nur «bedingt». Fehlenden Willen konnten weder Löw noch die Fans erkennen. «Ich kann taktische Dinge herausziehen, Spieler einschätzen, ob sie Fehler gemacht haben. Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat», fasste der Trainer seine Analyse in Kurzform zusammen. «Der Spielverlauf war einfach gegen uns», meinte Löw. Der agile Mittelfeldspieler Lars Bender ergänzte: «Die Qualität beim Gegner war zu groß, um alles zu vereiteln.» Messi und Angel Di Maria erzielten nach Sami Khediras Eigentor die weiteren Treffer. Benedikt Höwedes belohnte das deutsche Team mit einem Flugkopfball zum 1:3 für den unermüdlichen Einsatz. «Man kann trotzdem viel Positives mitnehmen. Wir haben weiter alles versucht mit zehn Mann», meinte Bender, der erstmals als «Sechser» in der Startelf agierte und seine Sache neben Khedira gut machte. Der Argentinien-Test offenbarte Löw viele Ansatzpunkte für die weitere Arbeit mit seinem Team, das intakt ist und dessen Potenzial auch wieder aufblitzte, gerade offensiv mit den frischen Newcomern Reus oder auch den eingewechselten André Schürrle und Mario Götze. «Da sieht man hervorragende Anlagen. Ich denke, dass einige junge Spieler eine gute Rolle einnehmen werden», sagte Löw. Wie sein Team braucht der Bundestrainer jetzt wieder Erfolge, um die Skepsis nach den jüngsten Negativerlebnissen zu zerstreuen. «Wichtig ist, dass wir jetzt eine erfolgreiche Qualifikation starten», forderte Bierhoff für die nächsten Spiele Anfang September gegen die Färöer Inseln und Österreich. Dann sollen auch wieder etablierte Kräfte wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer zurückkommen und dem Team mehr Stabilität verleihen. Die Stellvertreter von Stammtorhüter Neuer erlebten einen bitteren Abend. Rotsünder Zieler ist für ein Freundschaftsspiel gesperrt. Marc-André ter Stegen hielt zwar einen Elfmeter von Messi, musste aber nach den fünf Gegentoren in seinem ersten Länderspiel gegen die Schweiz erneut dreimal hinter sich greifen. «Trösten braucht mich keiner. Es ärgert mich am meisten», sagte Zieler, der Unglücklichste beim unglücklichen Neubeginn.
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