Vergebens mühte sich der Bundesinnenminister, die seltsame Diskussion zu bremsen. «Man muss jetzt nach so einem verlorenen Halbfinale nicht alle möglichen Gründe suchen, warum wohl was nicht geklappt hat», sagte Hans-Peter Friedrich (CSU) im Bayerischen Rundfunk. Da hatte die schwüle Debatte um den schwarz-rot-goldenen Rasen-Patriotismus schon längst so richtig Fahrt aufgenommen. Im ZDF-Talk von Markus Lanz behauptete der frühere TV-Reporter Rolf Töpperwien, die DFB-Elf sei auch deswegen an Italien gescheitert, weil die Profis der Squadra Azzurra eben viel hingebungsvoller ihre martialische Hymne («Wir sind bereit zum Tod») geschmettert hätten. Schon vorher meinte Ex-Nationalspieler Felix Magath: «Wer sah, wie inbrünstig die Italiener ihre Hymne sangen, ja schrien, der konnte den Willen ahnen, mit denen sie die anstehenden 95 Minuten angehen würden.» In Internet-Foren und Leserbriefen gifteten beleidigte Fans in die gleiche Richtung. Spielmacher Özil hat dafür kein Verständnis. «Bei allem Respekt: Aber wir haben alles gegeben. In allen Spielen», sagte der Mittelfeldstar von Real Madrid der «Welt am Sonntag». Bester Beweis: Hymnen-Schweiger Sami Khedira war der stärkste deutsche EM-Spieler und wurde wie Özil ins EM-Allstarteam der UEFA berufen.
Bericht der «Bild»-Zeitung Hymne vor dem WM-Finale 1974
 |