Der Bundestrainer korrigierte zur Pause seine Aufstellung und brachte Marco Reus für Lukas Podolski und Miroslav Klose für den wirkungslosen Mario Gomez. Vor allem dank Reus nahm das Spiel über die rechte Seite nun endlich Fahrt auf. Immer mehr legte die DFB-Auswahl ihren Respekt ab und spielte ihre eigenen Stärken aus anstatt nur auf den Gegner zu reagieren, doch für die erhoffte Wende gegen defensiv starke Italiener kam die Umbaumaßnahme zu spät. Auch im fünften Turnierspiel blieb die von Löw erhoffte «Explosion» bei Spielmacher Özil aus. Dafür war Sami Khedira im Mittelfeld der große Antreiber, ohne indes die entscheidenden Impulse setzen zu können. Bei bestem Fußball-Wetter und geöffnetem Stadiondach begann das 31. Duell der beiden Fußball-Supermächte mit einer unverhofften Möglichkeit für die deutsche Elf. Im Anschluss an die erste Ecke durch Kroos kam Hummels vor Torwart-Routinier Gianluigi Buffon an den Ball, doch Andrea Pirlo verhinderte auf der Torlinie das drohende 0:1 (5.). Italiens Keeper wirkte auch in der 12. Minute nicht sicher, als er eine scharfe Hereingabe von Boateng nach vorne prallen ließ. Die Squadra zeigte sich indes unbeeindruckt und sorgte mit schnellem Spiel immer wieder für Unruhe in der deutschen Abwehr. Giorgio Chiellini, dessen Einsatz wegen einer Oberschenkelblessur lange fraglich gewesen war, leitete im Zusammenspiel mit Antonio Cassano das 1:0 für die Italiener ein. Mats Hummels ließ Cassano ungehindert flanken und in der Mitte reagierte Balotelli schneller als Holger Badstuber. Gegen den Kopfball des dunkelhäutigen Angreifers aus wenigen Metern war Torhüter Manuel Neuer chancenlos. Auf den ersten Rückstand im Turnier reagierte die Mannschaft leicht geschockt, auch Löw war die Nervosität auf der Trainerbank deutlich anzumerken. Der Bundestrainer musste vor allem mit seiner Defensive hadern, die in der 34. Minute Riccardo Montolivo im Strafraum zu viel Spielraum ließ. Im Gegenzug prüfte Antreiber Khedira noch einmal Buffon aus gut 20 Metern, doch dann war es erneut passiert. Ein Traumpass von Montolivo in die Schnittstelle der Abwehr fand Balotelli, der völlig unbedrängt noch ein paar Meter mit dem Ball lief und ihn dann aus 14 Metern in den Torwinkel hämmerte. Dank der Wechsel kam die deutsche Elf zur zweiten Halbzeit mit mehr Offensiv-Power aus der Kabine. Vier Minuten nach Wiederbeginn hätte Philipp Lahm die Wende einleiten können, doch der Kapitän schoss aus zwölf Metern über das italienische Tor. Dann stand Buffon bei einem Freistoß von Reus richtig und lenkte den Ball über die Latte (62.). Die Azzurri beschränkten sich im zweiten Durchgang zunächst darauf, den Vorsprung zu verwalten, bei ihren Kontern blieben sie aber jederzeit gefährlich. In der 67. und 75. Minute drohte bei zwei Chancen für Claudio Marchisio sogar das 0:3.
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