Auch weil man sich nicht auf Schützenhilfe der Niederlande verlassen könne, wird der Bundestrainer die Startelf nur moderat umbauen. «Vielleicht braucht jetzt einer ein Spiel Pause», erklärte Löw, «um im Viertelfinale - wenn wir es schaffen - wieder frisch bei Kräften zu sein.» Gezwungen ist der Chef zu einer Umstellung in der Abwehr, weil Außenverteidiger Jérome Boateng nach der zweiten Gelben Karte gesperrt ist. «Wir haben keine gute Reservebank, wir haben eine sehr gute. Ich mache mir keine Sorgen», erklärte der wiedererstarkte Vizekapitän Bastian Schweinsteiger zu der erforderlichen Veränderung. «Man kann Philipp Lahm nach rechts ziehen und Marcel Schmelzer links spielen lassen. Man kann Lars Bender rechts spielen lassen, das wäre eine gute Möglichkeit», sprach Löw denkbare Lösungen an. Die besten Chancen für sein EM-Debüt müsste eigentlich Benedikt Höwedes haben. Löw hatte den Schalker schon im zweiten Teil der souveränen EM-Qualifikation in Aserbaidschan (3:1), gegen Österreich (6:2) und auch zum Abschluss gegen Belgien (3:1) von Beginn rechts aufgestellt. Ansonsten dürfte der DFB-Chefcoach die Spieler ins dritte schwere Spiel schicken, die für den optimalen EM-Start gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) gesorgt hatten. Zauberer Mesut Özil bekam am Freitag einen «Erholungs- und Regenerationstag», berichtete Flick nach der geheimen Übungseinheit. Der Spielmacher sollte ausruhen, um gegen die Dänen wieder mit vollem Tank das Spiel ankurbeln zu können. «Wir haben noch gar nichts erreicht», warnte nochmals der bisherige EM-Toptorschütze Mario Gomez. Schon einmal hatte ein dänisches Team den Favoriten Deutschland geschockt. 1992 unterlagen die damaligen Weltmeister um Jürgen Klinsmann, Jürgen Kohler, Andreas Brehme und Bodo Ilgner den aus dem Urlaub angereisten Dänen im EM-Endspiel beim Turnier in Schweden sensationell mit 0:2. Für die Generation Podolski, Lahm, Schweinsteiger wäre der «plötzliche Tod» 20 Jahre später auch ganz bitter. «Wir haben ein großes Ziel und haben enormes Potenzial», betonte Podolski. Mit einem Einsatz in Lwiw würde der Kölner Junge als erst zehnter deutscher Spieler in den elitären «Club der Hunderter» aufgenommen. «Uns fehlt eigentlich nur noch ein Titel», sagte der 27-Jährige, der bislang zweimal WM-Dritter und einmal EM-Zweiter geworden ist. Die Nationalmannschaft ist Podolski seit seinem Debüt im Juni 2004 genauso ans Herz gewachsen wie sein Heimatverein 1. FC Köln. «Ich fühle mich sauwohl in diesem Team», erklärte er: «Man ist stolz, am Spieltag den Adler auf der Brust zu haben.» Bei dieser EM konnte Podolski noch nicht wie in den ersten beiden Spielen 2008 mit Toren glänzen, dafür rackerte und lief der «Deutschland-Poldi» wohl noch nie so viel mit nach hinten. «Man muss sich in den Dienst der Mannschaft stellen. So ist es nun mal», bemerkte der Jubilar. Die voraussichtlichen Aufstellungen: Deutschland: 1 Neuer (Bayern München/26/28) - 4 Höwedes (Schalke 04/24/8), 5 Hummels (Borussia Dortmund/23/16), 14 Badstuber (Bayern München/23/22), 16 Lahm (Bayern München/28/88) - 6 Khedira (Real Madrid/25/29), 7 Schweinsteiger (Bayern München/27/92) - 13 Müller (Bayern München/22/29), 8 Özil (Real Madrid/23/35), 10 Podolski (1. FC Köln/27/99) - 23 Gomez (Bayern München/26/54) Dänemark: 1 Andersen (30 Jahre/12 Länderspiele/FC Evian Gaillard) - 6 Jacobsen (32/52/FC Kopenhagen), 3 Kjaer (23/26/AS Rom), 4 Agger (27/48/FC Liverpool), 5 S. Poulsen (27/20/AZ Alkmaar) - 19 J. Poulsen (28/23/FC Midtjylland), 7 Kvist (27/30/VfB Stuttgart) - 23 Mikkelsen (25/5/FC Nordsjaelland), 8 Eriksen (20/25/Ajax Amsterdam), 9 Krohn-Dehli (29/23/Bröndby IF) - 11 Bendtner (24/50/AFC Sunderland) Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
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