Löw will das große Bangen diesmal umgehen. «Wer einen groben Schnitzer macht, wird bestraft», mahnte er volle Konzentration an. «Wir haben mit dem ersten Sieg nur ein kleines Etappenziel erreicht.» Um die Sinne noch zu schärfen, schottete er das Team schon zwei Tage vor der brisanten Partie gegen den Erzrivalen um Bayern-Stürmer Arjen Robben und Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar ab. Beim Training waren erstmals auch die Medien komplett ausgeschlossen. Löw will die DFB-Auswahl ohne jede Störung auf die Kraftprobe einstimmen. «Die Holländer dürfen gegen uns nicht verlieren, das Spiel hat an Brisanz gewonnen», beschrieb Gomez die Ausgangsposition. Liebe Grüße übermittelte er an den Vereinskollegen Robben: «In diesem Spiel werden wir keine Freunde sein.» Gomez hat keine Zweifel an seinem erneuten Einsatz. Gelassen und selbstbewusst schmetterte er auch die unverhältnismäßige Kritik von ARD-Experte und Bayern-Reservetrainer Mehmet Scholl mit Verweis auf seine herausragende Torquote in den letzten Jahren ab. «Ich möchte wissen, warum ich mich ändern soll?», fragte er verwundert. Löw hob zwar ausdrücklich hervor, dass auch Miroslav Klose im Training «immer stärker» werde. Aber er betonte gleich mehrfach, «dass Mario das entscheidende Tor gegen Portugal gemacht hat». Personelle Änderungen plant der Bundestrainer wohl nicht. Es sei denn, «es gibt noch eine Eingebung für mich», meinte er schmunzelnd. Man wisse doch, er sei «immer für Überraschungen gut». Bei der EM 2008 und der WM 2010 hatte Löw jeweils an der Siegerelf des ersten Spiels festgehalten. Zudem betonte er, dass alle Akteure «ohne größere Blessuren» das Portugal-Spiel überstanden hätten: «Das ist das Erfreulichste. Es gibt keine Probleme.» Die spielerisch mäßige Leistung gegen Portugal hat im deutschen Lager auch niemanden beunruhigt. «Es ist doch schön, wenn man gewonnen hat und trotzdem sagen kann: Wir können uns noch steigern, wir sind noch nicht bei hundert Prozent», kommentierte Gomez. Löw will von seinen Offensivspielern um Mesut Özil mehr sehen. «Nach vorne war noch nicht die Durchschlagskraft da.» Dafür hob er die kollektiv gute Defensivarbeit hervor. «Die Abwehr ist immer das Sensibelste in einer Mannschaft. In der Qualifikation gewinne ich lieber mal 4:1, 5:2. Im Turnier ist es wichtig, die defensive Stabilität zu haben.» Ergebnisfußball kommt vor Erlebnisfußball. Den hatte die deutsche Elf bei ihrer 3:0-Gala gegen den WM-Zweiten im November 2011 geboten. «Bei den Holländern wird das ja wohl noch eine Rolle spielen», sagte Lukas Podolski mit breitem Grinsen vor seinem 99. Länderspiel. Ein heißes Duell wird es auf jeden Fall. Über 30 Grad warm ist es aktuell im ukrainischen Charkow, auch bis zur Anstoßzeit um 21.45 Uhr (Ortszeit) kühlt es kaum ab. «Ich will das überhaupt nicht thematisieren», wiegelte Löw ab. Es gebe «keine Adaptionszeit», ein Alibi soll das Wetter keinesfalls sein. Auch die Holländer würden am Dienstag aus dem kühleren Polen anreisen. Herausfordernd ist auch die rasche Spielfolge. «Das ist ein harter Rhythmus, die Vorrunde in praktisch einer Woche durchzuziehen», sagte Thomas Müller. Löw traut das aber selbst Bastian Schweinsteiger zu, der noch um seine Bestform ringt. Den Mittelfeldchef müsse man «nicht durchtragen», weder körperlich noch mental, meinte der Bundestrainer: «Bastian ist absolut selbstbewusst, hat eine gute Körpersprache, ist ehrgeizig und siegesgewillt.» Gerade gegen Holland. Die voraussichtliche Aufstellung: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Gomez
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