Der Respekt vor Neuer, Schweinsteiger, Klose & Co. ist groß bei den Europameisterschafts-Gastgebern. Joachim Löw sei der Mann für die perfekte EM-Operation, urteilt die Presse in der Ukraine.
Zur Begrüßung wird Joachim Löw von einem übermannsgroßen Andrej Schewtschenko auf riesigen Plakaten angelächelt. Der einstige Star des AC Mailand und FC Chelsea ist der große Hoffnungsträger von Gastgeber Ukraine für das EM-Turnier im kommenden Sommer und schon jetzt in den vier ukrainischen Spielorten omnipräsent. Doch auch Bundestrainer Löw gilt im kalten Kiew schon vor der mit Spannung erwarteten Gruppenauslosung an diesem Freitag als Europameisterschafts-Star. «Wie ein Chirurg vor einer lebenswichtigen Operation» würde der deutsche Chefcoach «jeden Schritt bis ins kleinste Detail durchplanen», schrieb die auflagenstarke Zeitung «Sport Express» über Löw.
In der Tat ist das Losprozedere im Kiewer Kunstpalast «Ukraina», einem Bau aus sozialistischen Zeiten, für den Chef der deutschen EM-Titelmission nur ein kleiner Teil der Operationsvorbereitung. «Die Lose haben keinen großen Einfluss auf das Turnier», erklärte Löw, der erst am Freitagvormittag mit einer siebenköpfigen Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der ukrainischen Hauptstadt einschwebt. «Weder in der Vorrunde, noch danach wird es leichte Spiele geben. Du musst dich auf alle 15 Mannschaften umfassend vorbereiten», betonte der 51-Jährige.
Der Respekt vor Löw und seiner in der Qualifikation mit zehn Siegen in zehn Spielen glänzenden Mannschaft ist schon vor der Endrunden-Auslosung gewaltig. «Die Deutschen sind eines der besten Teams weltweit. Die Mannschaft ist schwer zu schlagen, weil sie sich viel und schnell bewegt und blitzschnell von Abwehr auf Angriff wechseln kann», erklärte Ukraine-Routinier Schewtschenko der Nachrichtenagentur Ukrinform. «Alle elf Spieler sind untereinander perfekt vernetzt und hervorragend organisiert», ergänzte der Stürmer.
Löw vermittelt vor der Auslosung einen entspannten Eindruck. Die Arbeit geht für ihn direkt nach der festlichen Zeremonie an diesem Freitag weiter. «Nachdem organisatorisch seit längerem schon fast alles klar ist, können wir uns dann auf die ersten drei sportlichen Aufgaben konzentrieren. Und wir können die Verpflichtung der letzten zwei Länderspielgegner unmittelbar vor dem Turnier in Angriff nehmen», umriss der Bundestrainer die nächsten Aufgaben.
Schon am Samstagvormittag werden sich Löw und seine sportliche Leitung mit Vertretern der drei Gruppengegner treffen, um organisatorische Dinge abzusprechen. Und auf der Rückreise nach Deutschland wird der Cheftrainer darüber nachdenken, welche Testspielgegner die Gruppenkontrahenten am ehesten simulieren können. Gegen die wird das DFB-Team dann im Mai in der unmittelbaren Turnier-Vorbereitung antreten.
Bange ist Löw auch vor einer Hammergruppe etwa mit Topfavorit Spanien, Portugal und Frankreich nicht. «Mit Argentinien und England bei der WM, mit Brasilien und Holland danach haben wir es geschafft, Große zu schlagen», erinnerte der Bundestrainer. «Wir sind so gut besetzt wie lange nicht mehr. Wir brauchen uns vor keinem zu verstecken», hatte Abwehrmann Per Mertesacker nach dem erfolgreichen Abschluss des Länderspieljahres 2011 unterstrichen.
Unabhängig von der Auslosung werden Löw und seine Helfer den Vorbereitungsplan durchziehen. «Wir müssen uns verbessern. Wir haben noch ein halbes Jahr», betonte Angriffs-«Oldie» Miroslav Klose trotz des jüngsten überzeugenden 3:0-Sieges im Prestigeduell gegen Vizeweltmeister Niederlande, der beim EM-Turnier in Polen und der Ukraine auch Vorrunden-Gegner des Löw-Teams sein kann. «Es liegt an uns, das letzte Bisschen noch aufzuholen und Lücken zu schließen», erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.