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Europa staunt: «Ein bisschen Angst» vor Löw-Team

Düsseldorf (dpa) - 12.10.2011, 14:51 Uhr

Mesut Özil (M) wird nach seinem Treffer von seinen Mannschaftskollegen geherzt. Foto: Marius Becker.
Mesut Özil (M) wird nach seinem Treffer von seinen Mannschaftskollegen geherzt. Foto: Marius Becker.

Die Fans sind begeistert, die Konkurrenz ist schwer beeindruckt: Schwarz-Rot-Gold ist schon acht Monate vor dem EM-Turnier 2012 die Modefarbe in Fußball-Europa.

«Die Gegner bekommen Respekt und ein bisschen Angst vor Deutschland», kommentierte Bundestrainer Joachim Löw die Rekord-Qualifikation von zehn Siegen in zehn Spielen. Die überragende Art und Weise, mit der sich Löws gereifte Boygroup in der Ausscheidung für die Europameisterschaft im kommenden Sommer in Polen und der Ukraine durchsetzte, schürte nicht nur den Titelglauben in den eigenen Reihen. «Andere Länder sehen, wir lassen jetzt nicht nach. Die Mannschaft ist stark und hungrig», betonte Projektleiter Löw. Dritte Plätze wie bei den WM-Turnieren 2006 und 2010 sowie ein EM-Finale wie 2008 reichen den Jünglingen um den angehenden Weltstar Mesut Özil 2012 nicht mehr: «Es wird Zeit, dass Deutschland mal Europameister wird», sagte der Real-Profi forsch.

Qualifikations-Europameister sind die Männer um den überragenden Özil nach dem 3:1 im Abschlussfest gegen Belgien schon. Eine weiße Weste in zehn Partien - das gab es beim Marathonlauf um ein Turnier-Ticket noch nie in der DFB-Historie. Und das schaffte in der Ausscheidung um die EM-Teilnahme 2012 auch kein anderes Team in Europa. Nur Erzrivale Spanien, zum Abschluss 3:1-Sieger über Schottland, kam ebenfalls ohne Punktverlust durch. Allerdings musste der Welt- und Europameister lediglich acht Partien bestreiten.

«Es ist eine tolle Leistung über 14 Monate nach einer schwierigen WM», jubelte Löw, der nun das Titelprojekt forcieren will. In den verbleibenden acht Monaten bis zum EM-Start am 8. Juni 2012 muss er aus dem titelreifen Personal einen Champion formen. «Man hat die Ansprüche hoch gesetzt. Europa verfolgt natürlich, was wir als Nationalmannschaft machen. Das lässt die anderen aufhorchen», sagte Manager Oliver Bierhoff, der 1996 mit seinem Golden Goal im Londoner Wembleystadion für den bislang letzten deutschen Titel gesorgt hatte.

16 Jahre nach diesem EM-Triumph soll es endlich wieder klappen. «Wir wollen mal was reißen, mehr als das Finale», erklärte der Münchner Thomas Müller klipp und klar das Ziel der neuen Generation. «Wir haben uns unglaublich stabil gezeigt nach dem schwierigen Turnier in Südafrika. Von der Spielkultur her sind wir auf hohem Niveau. Wir können schnell spielen», skizzierte der Bundestrainer die Fortschritte der vergangenen 14 Monate.


Löw hat jetzt personelle Möglichkeiten, von denen Bundestrainer vor ihm nur träumen konnten. Selbst wenn gegen Belgien Führungskräfte wie Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose sowie ein Turniergarant wie Lukas Podolski nicht zur Verfügung stehen, gibt es kaum einen Niveauabfall. Dazu entwickelt sich der erst 22 Jahre alte Özil zu einem Ausnahmefußballer. Mit einem tollen Tor (30. Minute) versetzte er die deutschen Fans unter den 48 483 Zuschauern in Düsseldorf in Entzücken. Danach leitete er den Blitzkonter ein, den André Schürrle (33.) frech abschloss. Und schließlich legte Özil auch noch dem sechsfachen Qualifikationstorschützen Mario Gomez (48.) auf.

Dass der türkischstämmige Özil, um dessen Ausfall beim 3:1 in Istanbul es viele Gerüchte gegeben hatte, auch noch dem Land seiner Vorfahren helfen konnte, passte ins rosa Bild des Abends. Özil hielt sein Versprechen: «Ich habe viele Freunde, die für die türkische Nationalmannschaft spielen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass sie auch bei der EM dabei sind.» Seine eigenen sportlichen Ziele mit der DFB-Elf definierte der gebürtige Gelsenkirchener ein ganzes Stück höher: «Wir sind eine junge Mannschaft, die erfolgshungrig ist. Unser Ziel muss es sein, Titel nach Deutschland zu holen.»

Doch nicht nur die Spanier sind für Löw ein ernsthafter Titelkontrahent. «England und Portugal werden besser sein als bei der letzten WM in Südafrika, auch Frankreich. Spanien und wir werden nicht allein die Hauptrolle spielen. Wenn man den Titel gewinnen will, muss man auch andere Hürden nehmen», unterstrich der 51-Jährige. Den Hauptansatzpunkt für den EM-Feinschliff fügte Löw an: «Woran wir arbeiten müssen, ist die Stabilität. Das betrifft nicht nur die letzte Reihe.» Neun Spiele in Serie kassierte das DFB-Team mindestens ein Gegentor - auch gegen Belgien stand die Null nicht.

In drei Testpartien kann sich Löw nun an seine optimalen EM-Lösungen herantasten: Am 11. November geht es im neuen Kiewer Endspielstadion gegen EM-Gastgeber Ukraine. Vier Tage später werden in Hamburg die Niederländer empfangen. Am 29. Februar eröffnet Deutschland gegen die Franzosen das EM-Jahr. «Klar, die Erwartungshaltung steigt. Aber diese Entwicklung ist normal. Damit müssen Spieler und die Mannschaft gut umgehen. Das muss man auch lernen», blickte Löw schön auf die kommenden Härtetests voraus.

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