Özil selbst äußerte sich am Tag vor der Partie nur in einem Interview des DFB. «Im Moment bin ich nicht fit. Ich habe Schmerzen.» Kneifen würde er aber nicht, stellte der 22-Jährige klar: «Ich habe keine Angst.» Mit Pfiffen der türkischen Fans könne er umgehen: «Die machen mir nichts aus.» Özils Mitwirken würde die Atmosphäre im Stadion anheizen - sein Ausfall die deutsche Elf erheblich schwächen. Beim 3:0-Hinspielsieg in Berlin trotzte der Spielmacher von Real Madrid den Anfeindungen der vielen türkischen Anhänger, glänzte als Regisseur und als still jubelnder Torschütze. «Er spielt die tödlichen Pässe, da ist er genial», schwärmte Löw. «Unsere Spieler in der ersten Reihe profitieren immens von Mesut.» Auch bei einem Özil-Ausfall werde man Lösungen finden. Als erste Alternative benannte Löw den Dortmunder Jungstar Mario Götze. «Er kann das.» Auf die deutsche Aufstellung schaut man besonders auch in Belgien. Die Belgier (12 Punkte), am kommenden Dienstag in Düsseldorf letzter Gegner des DFB-Teams, streiten mit den Türken (14) vehement um den zweiten Platz, der auch noch zur EM-Teilnahme 2012 in Polen und der Ukraine führen kann. «Wir haben mit der Qualifikation unsere Aufgabe erfüllt, aber das heißt nicht, dass wir uns zurücklehnen», versicherte Löw und versprach vollen Einsatz seiner Mannschaft: «Wir wollen nicht den Eindruck der Wettbewerbsverzerrung vermitteln.» Bei Aufstellungsfragen mauerte der Bundestrainer am Tag vor dem Spiel total. Lieber redete er die Türken stark. «Sie haben in Berlin nicht ihr wahres Gesicht gezeigt. Hier wird die Mannschaft getragen von einem enthusiastischen Publikum. Es wird unglaublich viel Emotion und Motivation im Spiel sein, das weiß ich aus eigener Erfahrung», sagte Löw als ehemaliger Trainer von Fenerbahce Istanbul. Löw warnt seine Spieler ausdrücklich vor dem erfahrenen Emre (31) und dem hochgelobten Mittelfeldspieler Arda. «Er ist in der Lage, ein Spiel alleine zu entscheiden, er ist unberechenbar, unglaublich gefährlich», sagte Löw über den 24-Jährigen von Atletico Madrid. Die letzte Auswärtsniederlage in einem EM-Qualifikationsspiel kassierte die deutsche Elf übrigens ausgerechnet vor 13 Jahren beim 0:1 in Bursa gegen die Türkei - ein schlechtes Omen? Eine neuerliche Pleite bliebe folgenlos. «Wir haben die schöne Ausgangsposition, dass wir schon qualifiziert sind», verdeutlichte Philipp Lahm. Trotzdem sei die Motivation für die Begegnung einfach, erklärte der Kapitän: «Es geht jetzt schon um die Plätze im EM-Kader.» Hinzu käme das Ziel, erstmals in der DFB-Geschichte alle zehn Qualifikationspartien für ein großes Turnier zu gewinnen. «Der Rekord ist eine schöne Nebensache - und den wollen wir auch haben», erklärte Lahm. Über allem stehe aber der EM-Titel 2012: «Die Preise werden erst im nächsten Jahr verteilt.» Voraussichtliche Aufstellungen: Türkei: Volkan (Fenerbahce/29 Jahre/52 Länderspiele) - Gökhan Gönül (Fenerbahce/26/25), Korkmaz (Besiktas 28/2), Servet Cetin (Galatasaray 30/58), Hakan Balta (Galatasaray 28/31) - Selcuk Inan (Galatasaray 26/14), Topal (FC Valencia/25/20) - Hamit Altintop (Real Madrid/28/64), Emre (Fenerbahce/31/78), Arda (Atletico Madrid 24/47) - Burek Yilmaz (Trabzonspor/26/11) Deutschland: Neuer (Bayern München 25/22), Höwedes (Schalke 04 23/3), Mertesacker (FC Arsenal 27/76), Badstuber (Bayern München 22/15), Lahm (Bayern München 27/83) - Khedira (Real Madrid 24/20), Schweinsteiger (Bayern München 27/89) - Müller (Bayern München 22/21), Götze (Borussia Dortmund/19/9), Podolski (1. FC Köln 26/92) - Gomez (Bayern München/26/47) Schiedsrichter: Atkinson (England)
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