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Keine Lustreise zum Bosporus - Stahlbad für Özil

Istanbul (dpa) - 05.10.2011, 13:06 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw (r) und Co-Trainer Hans-Dieter Flick während des Trainings in Mainz.
Bundestrainer Joachim Löw (r) und Co-Trainer Hans-Dieter Flick während des Trainings in Mainz.

Der Druck ist weg, aber von Lustreise will Joachim Löw nichts hören. Das EM-Qualispiel des schon für die Endrunde 2012 qualifizierten deutschen Fußball-Nationalteams gegen hochmotivierte Türken ist für den Bundestrainer ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur angestrebten Titelreife.

Jeder einzelne Akteur kann in Istanbul zudem seine persönliche Bewerbung für eines der 23-EM-Tickets vorantreiben. «Da sind die Spieler unter Druck, in einer besonderen Atmosphäre zu bestehen», betonte Teammanager Oliver Bierhoff. In einem Teammeeting noch vor dem Charterflug von Frankfurt nach Istanbul machte Löw seinen Akteuren deutlich, «dass es nur noch fünf Spiele sind, dann wird die EM-Vorbereitung eingeleitet». Allerdings nahm die sportliche Leitung einige Sorgen mit in die pulsierende Millionenmetropole am Bosporus. Die angeschlagenen Mesut Özil (Achillessehnenprobleme) und Miroslav Klose (Knieprellung) konnten vor dem Abflug wieder nicht trainieren. Auch Mario Gomez musste wegen erneuter Adduktorenbeschwerden aussetzen.

Das Trio soll aber am Abschlusstraining in Istanbul teilnehmen können, vermeldete der DFB. Der Münchner Toni Kroos musste wie angekündigt wegen eines grippalen Infektes passen, so dass der Kader noch 20 Feldspieler und drei Torhüter umfasst. «Es wird sehr schwer, aber wir wollen auch in Istanbul auf jeden Fall drei Punkte holen», verkündete Vizekapitän Bastian Schweinsteiger. Mit sechs Zählern aus den letzten Ausscheidungsspielen in der Türkei und vier Tage später in Düsseldorf gegen Belgien würde das DFB-Team einen Qualifikationsrekord markieren.

Löw erwartet im zu Jahresbeginn eröffneten Galatasaray-Stadion, das 52 650 Zuschauern Platz bietet, einen heißen Tanz. Vor allem für sein junges Personal, das so eine «Stimmung noch nicht so oft erlebt hat», sei das brisante Duell gegen die noch um Gruppenplatz zwei und damit die EM-Chance kämpfenden Türken «eine große Herausforderung», meinte der 51-jährige Chefcoach. «Klar, wir sind qualifiziert. Aber das heißt nicht, dass wir uns ausruhen», versicherte der Münchner Jérôme Boateng, auch erst 21.

«Wenn es gegen Deutschland geht, mobilisieren die Türken alles. Ich weiß, was auf unsere Spieler zukommt», warnte Löw, der selbst als Trainer in der türkischen Liga gearbeitet hat. Den Fehler von 2008, als nach einer ebenso souveränen EM-Quali die Leistungskurve rapide nach unten gegangen war und sich Probleme bis in die Endrunde hineingezogen hatten, «wollen wir nicht mehr machen», sagte Bierhoff.


Auch Real-Star Özil soll sich dem Stahlbad in Istanbuls nördlichem Stadtteil Seyrantepe stellen. Dass der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke beim ersten Länderspiel im Land seiner Vorfahren wohl nicht freundlich empfangen wird, dürfe «keine Rolle» spielen, sagte Löw: «Beim 3:0-Hinspiel in Berlin musste er mit Pfiffen leben, das hat er sehr gut gemacht. Wer mit Real Madrid sechsmal gegen den FC Barcelona gespielt hat, ist menschlich so gereift, dass er die Pfiffe absolut wegsteckt», sagte Löw.

«Jeder kann seine Position stärken», betonte der Bundestrainer. Der verschärfte Wettbewerb der Spieler kommt ihm schon acht Monate vor Turnierbeginn recht: «Große Mannschaften haben einen guten Durchlauf und auf allen Positionen einen Konkurrenzkampf.»

Dabei verlaufe der interne EM-Ausscheidungswettbewerb «sehr kollegial», wie Manager Bierhof schilderte: «Grabenkämpfe und Lagerkämpfe, wie man sie aus den 70-er Jahren kannte, kann ich in der Mannschaft nicht erkennen.» Dass dennoch jede Diskussion um die Stammplätze von den Spielern aufmerksam verfolgt wird, machte eine erstaunliche öffentliche Wortmeldung von Sami Khedira deutlich.

«Aus dem Nix» habe eine Diskussion um seine Position in der DFB-Auswahl stattgefunden, in der der Mittelfeldspieler im vergangenen halben Jahr aus Verletzungs- und Schonungsgründen nur beim 2:1-Sieg in Österreich zum Einsatz gekommen war. Der 24-Jährige von Real Madrid klagt über fehlende Wertschätzung und «unfaire» Kritiken.

Dem verschärften Konkurrenzkampf mit dem Münchner Kroos, der Khediras Abwesenheit im DFB-Team zuletzt zur Eigenwerbung nutzte, will er sich selbstbewusst stellen: «Ich vertraue in meine Stärke.» Das will Khedira in Istanbul an der Seite von Schweinsteiger auf dem Platz unterstreichen: «Wenn man weiß, dass der Gegner mit aller Macht gewinnen muss, ist es eine große Herausforderung.»

Die voraussichtliche Aufstellung:

Neuer - Höwedes, Mertesacker, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Klose

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