Löw reagierte gelassen auf die Titel-Skepsis der Deutschen. «Letztendlich beschäftigt mich das nicht, weil es noch viele Monate hin ist. Klar ist, dass wir zu den Favoriten zählen, damit können wir auch gut umgehen», sagte der Bundestrainer zu den Umfragewerten. Diese würden sich «vor allem durch Ergebnisse und die Spielweise» noch ändern, glaubt Löw. Mit der Partie am Freitag im Stadion von Galatasaray Istanbul beginnt für Löw eine Phase von «fünf Testspielen». Dabei will der 51-Jährige taktisch und personell experimentieren, bevor es in der unmittelbaren EM-Vorbereitung im Mai 2012 auf Sardinien und in Südfrankreich «um die Plätze geht und der Einspielen beginnt», wie der DFB-Chefcoach den Ablauf skizzierte. Das Duell am Bosporus ist nicht nur für Löw, der als Trainer schon bei Fenerbahce Istanbul und Adanaspor gearbeitet hat, ein spezielles. «Gerade das Spiel in der Türkei ist von besonderer Emotionalität geprägt», betonte Löw. Türken (14 Punkte) und Belgier (12) kämpfen in der Qualifikationsgruppe A hinter Deutschland (24) um Platz zwei, der die Hintertür zur EM-Endrunde in Polen und der Ukraine über die Playoff-Runde öffnet. «Größer kann die Motivation bei beiden nicht sein», warnte Löw und versprach auch in Düsseldorf gegen Belgien einen fairen Wettbewerb: «Ich werde nicht auf sieben oder acht Positionen wechseln.» Auch die Vorbereitung ging das DFB-Team nach einer schwierigen Anreise nach Mainz - Özil und Podolski steckten im Stau, der Flieger der Münchner Nationalspieler war verspätet - wie gewohnt akribisch an. Vor dem Abflug nach Istanbul am Mittwoch hat Löw noch eine weitere Trainingseinheiten im alten Bruchwegstadion angesetzt. Der Bundestrainer wird in Istanbul seine stärkste Elf aufbieten - also auch Rückkehrer Sami Khedira, dessen Real-Madrid-Kollegen Özil und höchstwahrscheinlich Klose. Der Oldie-Stürmer (33) verzaubert nach seinem Wechsel in die Serie A nicht nur Italien, sondern begeistert auch Löw: «Ich bin sehr erfreut, dass er jetzt regelmäßig zum Einsatz kommt, regelmäßig trifft und Tore vorbereitet. Ich denke, dass er ein Stück weit auf Wolke sieben eingeflogen kommt.» Nach fünf vergeblichen Anläufen will Löw dem Gladbacher Marco Reus in einer der beiden Partien endlich zu seinem Länderspieldebüt verhelfen: «Es wird Zeit.» Der Dortmunder Ilkay Gündogan soll nach dem EM-Qualifikationsspiel mit der U 21-Auswahl am Donnerstag gegen Bosnien-Herzegowina in die A-Mannschaft aufrücken. Denn erst mit einem Einsatz im Punktspiel gegen Belgien wäre der Deutsch-Türke endgültig für Deutschland festgespielt und könnte sich nicht mehr für die A-Nationalelf der Türkei entscheiden.
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