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Erfolge und Pannen: Polen macht sich fit für EM

Warschau (dpa) - 06.09.2011, 16:07 Uhr

Der polnische Staat will gegen Hooligans radikal vorgehen.
Der polnische Staat will gegen Hooligans radikal vorgehen.

Null-Toleranz für Hooligans: Der EM-Appetithappen gegen Deutschland dient Polen neun Monate vor dem Turnierstart auch als Härtetest für das Sicherheitskonzept.

Randalierern drohte direkt nach der Festnahme im Stadion ein Urteil im Schnellverfahren, wie der Präsident des nationalen Fußballverbandes PZPN, Grzegorz Lato, am Vorabend des Spiels in der Ostsee-Stadt ankündigte. Auf alle Rechtsbrüche werde es schnelle Reaktionen geben, versicherte der PZPN-Rechtsbeauftragte, Ex-Justizminister Janusz Kaczmarek.

Ein Großaufgebot von 1600 Polizisten sollte für Ruhe und Ordnung in und außerhalb der Danziger EM-Arena sorgen. Dabei musste die Polizei der Stadt sogar Verstärkung aus anderen Regionen des Landes holen. Auch ein Hubschrauber und 150 Polizeifahrzeuge standen für alle Fälle zur Verfügung.

Ziel der Übung: Mit einem störungsfreien Testspiel gegen Deutschland wollten Polens Behörden allen Zweiflern beweisen, dass sie das Gewaltproblem endlich im Griff haben. Denn Randale und rassistische Parolen in den Stadien, brutale Auseinandersetzungen zwischen Anhängern rivalisierender Mannschaften vor und nach den Spielen sowie Handgreiflichkeiten gegenüber Spielern und Schiedsrichtern waren bis zuletzt Alltag des Fußballs, vor allem in der polnischen Provinz. Verletzte und Tote gehören zur traurigen Bilanz.

Nach heftigen Ausschreitungen mussten im Mai und Juni mehrere Stadien für die Zuschauer geschlossen werden. Die Vereinigung «Niemals mehr» hat vom September 2009 bis März 2011 insgesamt 130 rassistische und antisemitische Zwischenfälle bei Sportveranstaltungen festgestellt.


Im Sommer verschärfte dann das Parlament in Warschau drastisch Strafen für Hooligans. Das Gesetzespaket umfasst unter anderem Fußfesseln für Straftäter mit Stadionverbot, Schnellgerichte für Randalierer und ein Vermummungsverbot. Auch Geldstrafen wurden verhängt.

Doch nicht nur die Gewalt in den Stadien bringt Polens Politiker und Sportfunktionäre bei der Umsetzung des Prestige-Projekts EURO 2012 um den Schlaf. Kurz vor dem Spiel gegen Deutschland drohte den Organisatoren eine Blamage, weil die Feuerwehr wegen fehlender Dokumentation eine Genehmigung für das Duell in der EM-Arena verweigert hatte. «In diesem Land ist alles möglich», klagte PZPN-Generalsekretär Zdzislaw Krecina. Wie konnte eine solche Panne passieren, fragten Kommentatoren.

Dabei sollte das Testspiel gegen Deutschland ursprünglich im Nationalstadion in Warschau stattfinden. Doch dort konnten Termine nicht eingehalten werden. Eine falsch gelegte Außentreppe verzögerte den Abschluss der Bauarbeiten bis November. Auch in Breslau wird noch gebaut. Verzögerungen gibt es zudem beim Bau der Autobahn A2, einer Schlüsselinvestition für die deutschen Fans, die mit dem Auto schnell Warschau erreichen wollen.

Solche Pannen schaden dem Prestige Polens. Dabei kann das Land auf seine neuen Spielstätten mit Recht stolz sein. «Wo heute das Danziger Stadion steht, gab es noch vor drei Jahren Schrebergärten», sagt Sportminister Adam Giersz. Die Danziger Spielstätte im Bernsteinlook oder das Warschauer Stadion in Form eines weiß-roten Korbes gelten schon als architektonische Vorzeigeobjekte.

Im Kampf gegen die Korruption zeigt Polen eiserne Härte. In den vergangenen Jahren wurden rund 350 Schiedsrichter, Trainer, Funktionäre und Spieler festgenommen. Mehrere Drahtzieher der Manipulationen sitzen bereits in Haft. Fast jeder Tag bringt Neuigkeiten im Kampf gegen Bestechung. In der vergangenen Woche nahmen die Beamten einen Schiedsrichter und einen ehemaligen Präsidenten eines Zweitligisten fest.

Inzwischen sind in Polen auch Menschen, die zunächst mit großer Begeisterung auf den Zuschlag für die EM 2012 reagiert haben, skeptisch geworden. Nur noch 48 Prozent der Polen sind mit ihrer Gastgeberrolle zufrieden, vor vier Jahren waren es 67 Prozent.

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