Im Sommer verschärfte dann das Parlament in Warschau drastisch Strafen für Hooligans. Das Gesetzespaket umfasst unter anderem Fußfesseln für Straftäter mit Stadionverbot, Schnellgerichte für Randalierer und ein Vermummungsverbot. Auch Geldstrafen wurden verhängt. Doch nicht nur die Gewalt in den Stadien bringt Polens Politiker und Sportfunktionäre bei der Umsetzung des Prestige-Projekts EURO 2012 um den Schlaf. Kurz vor dem Spiel gegen Deutschland drohte den Organisatoren eine Blamage, weil die Feuerwehr wegen fehlender Dokumentation eine Genehmigung für das Duell in der EM-Arena verweigert hatte. «In diesem Land ist alles möglich», klagte PZPN-Generalsekretär Zdzislaw Krecina. Wie konnte eine solche Panne passieren, fragten Kommentatoren. Dabei sollte das Testspiel gegen Deutschland ursprünglich im Nationalstadion in Warschau stattfinden. Doch dort konnten Termine nicht eingehalten werden. Eine falsch gelegte Außentreppe verzögerte den Abschluss der Bauarbeiten bis November. Auch in Breslau wird noch gebaut. Verzögerungen gibt es zudem beim Bau der Autobahn A2, einer Schlüsselinvestition für die deutschen Fans, die mit dem Auto schnell Warschau erreichen wollen. Solche Pannen schaden dem Prestige Polens. Dabei kann das Land auf seine neuen Spielstätten mit Recht stolz sein. «Wo heute das Danziger Stadion steht, gab es noch vor drei Jahren Schrebergärten», sagt Sportminister Adam Giersz. Die Danziger Spielstätte im Bernsteinlook oder das Warschauer Stadion in Form eines weiß-roten Korbes gelten schon als architektonische Vorzeigeobjekte. Im Kampf gegen die Korruption zeigt Polen eiserne Härte. In den vergangenen Jahren wurden rund 350 Schiedsrichter, Trainer, Funktionäre und Spieler festgenommen. Mehrere Drahtzieher der Manipulationen sitzen bereits in Haft. Fast jeder Tag bringt Neuigkeiten im Kampf gegen Bestechung. In der vergangenen Woche nahmen die Beamten einen Schiedsrichter und einen ehemaligen Präsidenten eines Zweitligisten fest. Inzwischen sind in Polen auch Menschen, die zunächst mit großer Begeisterung auf den Zuschlag für die EM 2012 reagiert haben, skeptisch geworden. Nur noch 48 Prozent der Polen sind mit ihrer Gastgeberrolle zufrieden, vor vier Jahren waren es 67 Prozent.
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