Für Klose und Podolski kam eine freiwillige Auszeit überhaupt nicht infrage. Ausdrücklich bat Klose den Bundestrainer, ihm die erste Möglichkeit zum Kick in seinem Geburtsland nicht zu nehmen. Auch Podolski wird das Spiel der Emotionen nicht verwehrt. «Ich freue mich nicht nur auf das Spiel, sondern auch auf die EM im nächsten Jahr, auch wenn es noch ein Stückchen hin ist», sagte Klose. Mehr Platz für Gefühle ist aber nicht: In der neuen EM-Arena lässt Löw für den geschonten Mesut Özil wie vor vier Wochen beim tollen Brasilien-Test den allseits umjubelten Götze in der Startformation ran. Im Tor bekommt der im DFB-Trikot in vier Einsätzen bislang sieglose Wiese eine Chance. Davor rückt Per Mertesacker erstmals seit gut fünf Monaten und kurz vor seinem Umzug nach London wieder in die Abwehrformation. Ob dessen Nebenmann Jérôme Boateng oder Mats Hummels sein wird, ließ Löw noch offen. Der Kampf um die 23 persönlichen EM-Tickets ist nun in vollem Gange. «Die Möglichkeiten heute sind größer. Der Kader ist in der Breite qualitativ sicherlich anders besetzt. Es können auch Spieler mal adäquat ersetzt werden», sagt Löw. Während der Bundestrainer die sportlichen Grundlagen für den Titeltraum vorantreibt, hat der DFB nach der Qualifikation schnell gehandelt. In Danzig wurde am Montag das EM-Quartier präsentiert. Im Luxushotel «Dwór Oliwski» vor den Toren des EM-Spielortes werden Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Co. im kommenden Sommer fürstlich logieren. «Als wir in Danzig waren, war das Liebe auf den ersten Blick», berichtete DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach von der Hotelsuche. Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff freute sich über den schnellen Quartier-Deal: «Wir finden hier alle unsere Kriterien erfüllt. Wir haben ein Hotel gefunden, wo wir eine entspannte, familiäre Atmosphäre aufbauen können, wo wir exklusiv für uns sind», sagte Bierhoff, der Danzigs stellvertretendem Bürgermeister Andrzej Bojanowski ein T-Shirt mit dem gleichen freundlichen Slogan wie auf dem Teambus übergab. Ganz Europa bewundert respektvoll die neue deutsche Fußballkunst. Das DFB-Team wird auf dem Kontinent als erster Kandidat gehandelt, die spanische Herrschaft zu brechen. Der Bundestrainer muss aber Realismus walten lassen. «Keiner wird vor uns auf die Knie fallen. Bei dem Turnier müssen wir uns in jedem Spiel beweisen», sagte Löw - und warnt bereits vor Größenwahn. «Die Erwartungshaltung ist jetzt schon immens groß, dabei ist die EM relativ weit weg.» Auch Team-Routinier Klose sieht noch ganz viel Potenzial in der Fußball-Rasselbande. «Wir haben nach der WM den nächsten Schritt gemacht, das wollten wir auch. Wir sind aber sicherlich noch nicht am Ende unserer Entwicklung angelangt.» Die voraussichtlichen Aufstellungen: Polen: Szczesny (FC Arsenal/21 Jahre/5 Länderspiele) - Wasilewski (RSC Anderlecht/31/39), Perquis (FC Sochaux/27/0), Glowacki (Trabzonspor/32/26), Wawrzyniak (Legia Warschau/28/18) - Murawski (Lech Posen/29/34), Dudka (AJ Auxerre/27/55) - Blaszykowski (Borussia Dortmund/25/34), Obranika (OSC Lille/26/18), Mierzejewski (Trabzonspor/24/14) - Lewandowski (Borussia Dortmund/23/34)
Deutschland: Wiese (Werder Bremen/29/4) - Träsch (VfL Wolfsburg/24/8), Mertesacker (FC Arsenal/26/75), Boateng (Bayern München/23/15), Lahm (Bayern München/27/82) - Rolfes (Bayer Leverkusen/29/23) - Schürrle (Bayer Leverkusen/20/7), Götze (Borussia Dortmund/19/8), Kroos (Bayern München/21/20), Podolski (1. FC Köln/26/91) - Klose (Lazio Rom/33/111)
Schiedsrichter: Orsato (Italien)
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