Nach der Aufregung um das Lahm-Buch fühlt Löw im Düsseldorfer Teamhotel wieder Ruhe einkehren: «Man spürt, dass die Konzentration richtig Fahrt aufnimmt.» Mit einem Sieg gegen «Felix Austria» in der mit 53 311 Zuschauern ausverkauften Schalke-Arena wäre die EM-Teilnahme 2012 als makelloser Tabellenführer der Gruppe A vorzeitig gesichert. Schneller kann keiner in Europa sein. «Unsere Aufgabe ist, dass wir uns definitiv qualifizieren, das ist das Ziel», gab Löw als Marschroute aus. Mit einem Erfolg gegen die mit mehreren Bundesliga-Legionären besetzten Österreicher würde das DFB-Team auch einen 30-Jahre-Rekord einstellen. Nur auf dem Weg zur WM 1982 hatte Deutschland bislang mit acht Siegen eine perfekte Bilanz. Die will Lahm mit weiteren Erfolgen im Oktober in der Türkei und gegen Belgien und dann zehn Siegen sogar noch toppen. «Das ist unser Anspruch und unser Ziel, dass wir perfekt vorbereitet in die EM gehen», sagte der Kapitän. Auch sein «Vize» Schweinsteiger - der im neuen System als einziger «Sechser» defensiver agieren muss - hat Lust auf die Bestmarke. «Wir sind ungeschlagen in der Gruppe, wir sollten es bleiben und das Ziel vor Augen haben, mal eine komplette Qualifikationsrunde ohne Punktverlust zu überstehen», sagte der Bayern-Profi. Schwerere Brocken als die Österreicher - denen Löw «sehr, sehr gute Leistungen gegen starke Gegner» attestierte - werden bald kommen. So wäre die DFB-Auswahl nach momentanem Stand trotz der jüngsten Erfolge bei der EM-Auslosung am 2. Dezember in Kiew nicht als Gruppenkopf gesetzt. Frühe EM-Duelle gegen Spanien oder Erzrivale Niederlande drohen somit im kommenden Sommer in Polen und der Ukraine. «Für mich ist es wichtig, dass wir uns richtig vorbereiten und gewappnet sind für die EM», sagte Löw. Auf fast allen Positionen bieten sich dem DFB-Chefcoach mittlerweile Alternativen. «Wir haben ein Klassepotenzial von jungen Spielern, die gut ausgebildet sind. Wir haben uns fußballerisch enorm entwickelt. Es hat die größte Priorität, dass wir uns auf diesem Weg weiterentwickeln und bei diesem Turnier weiter entwickeln», forderte Löw. Auch Abwehrmann Mertesacker staunt über die neue Breite im Kader, die für ihn selbst zur Herausforderung wird. «Wir sind super besetzt. So eine Luxussituation habe ich noch nie miterlebt», sagte der Verteidiger, der sich mit dem Arsenal-Wechsel einen Jugendtraum erfüllt hat. Den von Löw propagierten harten Konkurrenzkampf bekommt derzeit besonders Lukas Podolski zu spüren, der sich seiner Rolle als Platzhirsch im linken Mittelfeld nach 492 torlosen Minuten im Nationaltrikot gegen Österreich etwas zeigen muss. Noch vor dem Spiel wollte sich der Bundestrainer den Kölner zur Brust nehmen. «Lukas muss jetzt noch den nächsten Schritt irgendwie tun. Er spielt sein Potenzial nicht immer aus», tadelte Löw.
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