Gemeinsam mit dem ebenfalls überzeugenden Münchner Toni Kroos ersetzte Götze den geschonten Mesut Özil. Und plötzlich wurde deutlich, welch ein großes Reservoir Löw zu Beginn der EM-Saison zur Verfügung hat. «Es war mein Ziel, dass der Kader in der Breite an Qualität gewinnt. Es ist unsere Zielsetzung, junge Spieler permanent heranzuführen und sie in diesen Spielen zu sehen», sagte der Bundestrainer. Den Konkurrenzkampf bekommt Lukas Podolski am deutlichsten zu spüren. Der Kölner konnte in seinem 90. Länderspiel keinen Beitrag zur Hochstimmung leisten und sieht sich mehreren jungen Rivalen von Torschütze André Schürrle (80.) über Götze bis zu dessen Club-Kollegen Kevin Großkreutz ausgesetzt. Wortlos entschwand der 26-Jährige aus dem Stuttgarter Stadion. Löw wollte keine Individualkritik üben: «Ich möchte nicht auf einzelne Positionen eingehen. Ich bin froh, wenn ich 20 Topleute habe. Es ist gut, wenn schon die Jungen die Jungen unter Druck setzen.» Das Lob von Brasilien-Coach Mano Menezes («Die Deutschen waren in allen Belangen die überlegene Mannschaft») schmeichelte, reicht Löw aber nicht. Konzentriert will der Bundestrainer weiterarbeiten und hat dabei immer den wirklich großen Rivalen im Blick. «Die Spanier zu attackieren, da arbeiten wir dran. Ob man Spanien erreicht, muss man sehen. Da muss man sich noch entwickeln. Wir waren in den letzten Jahren sehr konstant, aber das heißt noch nicht, dass wir uns mit dem Weltmeister messen können», sagte Löw. Unterstützung bekommt der DFB-Chefcoach von seinen etablierten Kräften, denen das Spanien-Trauma von EM 2008 und WM 2010 auch noch in den Knochen steckt. «Wir wollen endlich Spanien stürzen, wir sind zweimal an ihnen gescheitert», sagte Kapitän Philipp Lahm. Feiern sollen vorerst nur die Fans. «Die Euphorie ist irgendwie auch berechtigt», ergänzte der Kapitän. Das Selbstbewusstsein ist zehn Monate vor dem EM-Start jedenfalls gestärkt. «Wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben die letzten sechs Jahre zusammen sehr konstant mit den Spaniern auf höchstem Niveau gespielt. Wir haben gute Spieler und eine gute Mannschaft», sagte Bastian Schweinsteiger, der per Foulelfmeter (61.) den ersten Treffer erzielt hatte. Ein Sieg gegen Brasilien war jeder deutschen Fußball-Generation seit den 60er-Jahren maximal einmal geglückt. Immerhin diesen «Mini-Titel» können sich Schweinsteiger und Co. nun als emotionale Aufbauhilfe ans Revers heften. In dieser Form bestehen kaum Zweifel, dass die fehlenden Punkte für die EM-Qualifikation schon im nächsten Spiel am 2. September in Gelsenkirchen gegen Österreich geholt werden. Löw hätte dann noch sechs Länderspiele bis zur Kadernominierung im Mai 2012. «Ich bin froh über den Konkurrenzkampf», sagte er. Die neue Jungstar-Dichte erlaubt nun sogar schon einen optimistischen Blick über die EM hinaus. «Wer 2014 in Brasilien Weltmeister werden will, muss Deutschland schlagen», sagte Deutschland-Fan Elber.
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