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Rosenkrieg um Ballack - Völler: «Versöhnliches Ende»

Leverkusen (dpa) - 19.06.2011, 13:41 Uhr

Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler will die Streitenden versöhnt sehen.
Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler will die Streitenden versöhnt sehen.

Mit Unverständnis hat der Deutsche Fußball-Bund auf die harschen Vorwürfe seines langjährigen Kapitäns Michael Ballack nach dessen Ausbootung reagiert. Bayer-Sportdirektor Rudi Völler hofft in dem Zwist zwischen Ballack und Joachim Löw auf ein «versöhnliches Ende».

Der unfreiwillige Abschied von Michael Ballack aus der Nationalmannschaft ist am Wochenende zum Rosenkrieg eskaliert, aus dem nicht nur der langjährige DFB-Kapitän, sondern auch Bundestrainer Joachim Löw und der Deutsche Fußball-Bund beschädigt hervorzugehen drohen. Durch seinen Generalsekretär Wolfgang Niersbach wies der Verband die harsche Kritik des 98-maligen Nationalspielers an seinem Karriereende in der DFB-Elf entschieden zurück. Letztlich steht in der Causa aber Aussage gegen Aussage.

Für Ballacks Arbeitgeber Bayer Leverkusen drückte Sportdirektor Rudi Völler kurz vor dem Trainingsauftakt seine Hoffnung auf ein «versöhnliches Ende» des Konflikts aus. «Alle Seiten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Die letzten zwei, drei Tage hätten wir uns ersparen können. Wir tun alle gut daran, das Thema abzuhaken», sagte der ehemalige DFB-Teamchef und ergänzte: «Ich weiß, wie stur Michael Ballack ist. Ich habe mit Michael gesprochen und die Hoffnung auf ein versöhnliches Ende noch nicht aufgegeben.»

Darauf hofft auch Niersbach, der in einem Interview auf der DFB-Homepage mit aller Schärfe auf Ballacks Vorwürfe reagiert hatte. «Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, schon gar nicht für Begriffe wie "Scheinheiligkeit" und "Farce", die er in diesem Zusammenhang gewählt hat», sagte der Generalsekretär. «Aus meiner Sicht sind alle Gespräche absolut korrekt und fair verlaufen.» Löw selbst ging auf die Angriffe nicht näher ein. «Ich weiß genau, was in meinen Gesprächen mit Michael besprochen wurde. An meinen Aussagen wird sich nichts ändern», ließ er lediglich mitteilen.

Detailliert stellte dafür Niersbach die DFB-Sicht dar, wie und wann die Treffen mit dem langjährigen Kapitän stattfanden. Er bestätigte, dass Löw bereits am 30. März dem 34 Jahre alten Leverkusener gesagt habe, dass er nicht mehr mit ihm plane. «Es wurde gemeinsam - ich betone: gemeinsam - vereinbart, zunächst Stillschweigen zu bewahren, Michael auch Zeit zu geben, nochmals in aller Ruhe nachzudenken, um dann in einem abschließenden Gespräch mit Joachim Löw festzulegen, wie die Entscheidung letztlich kommuniziert werden sollte», sagte der Generalsekretär.


Nach den Länderspielen zum Abschluss der Saison gegen Uruguay, Österreich und Aserbaidschan Anfang Juni habe sich Ballack laut Niersbach äußern wollen. Doch gab es seitdem keinen Kontakt mehr. Am Donnerstag teilte Löw dann über den DFB mit, dass er künftig auf den 98-maligen Nationalspieler verzichten werde. Einen Tag später warf Ballack dem Bundestrainer «Scheinheiligkeit» vor und lehnte ein Abschiedsspiel gegen Brasilien am 10. August als «Farce» ab.

«Es ist schade, dass er jetzt so reagiert. Wir haben in den vergangenen Wochen wirklich gute und offene Gespräche geführt», sagte Niersbach. «Danach konnten wir davon ausgehen, dass es durchaus auch in seinem Interesse lag, noch einmal als Kapitän der Nationalmannschaft aufzulaufen.»

Der DFB hätte ihm sogar angeboten, sowohl gegen Uruguay Ende Mai als auch gegen Brasilien zu spielen, um somit auf 100 Länderspiele zu kommen. Das wollte Ballack aber nicht, «weil ihm die Zahl nicht so wichtig war, dass er sie unter allen Umständen erreichen wollte - so jedenfalls hat er es mir vermittelt», berichtete der Funktionär. Er hofft, dass sich das Verhältnis zu Ballack wieder bessert. Er könne und wolle nicht an «das Ende der freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns glauben», so Niersbach.

Wie sich der Streit ausräumen lässt, ist derzeit aber offen. Ballack scheint tief verletzt über seine Ausbootung - zumindest lässt die Erklärung am Freitag den Schluss zu. Dabei war das Ende seiner Länderspiel-Karriere, die ohne Titel blieb, lange erwartet worden.

Der Mittelfeldspieler hatte sein letztes Spiel im DFB-Trikot am 3. März 2010 beim 0:1 gegen Argentinien bestritten, die anschließende WM verpasste er wegen einer Fußverletzung. Beim Turnier in Südafrika und in der Zeit danach unterstrich das junge DFB-Team mit seiner Spielweise, dass es Ballack als «Capitano» nicht mehr braucht.

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