Nach den Länderspielen zum Abschluss der Saison gegen Uruguay, Österreich und Aserbaidschan Anfang Juni habe sich Ballack laut Niersbach äußern wollen. Doch gab es seitdem keinen Kontakt mehr. Am Donnerstag teilte Löw dann über den DFB mit, dass er künftig auf den 98-maligen Nationalspieler verzichten werde. Einen Tag später warf Ballack dem Bundestrainer «Scheinheiligkeit» vor und lehnte ein Abschiedsspiel gegen Brasilien am 10. August als «Farce» ab. «Es ist schade, dass er jetzt so reagiert. Wir haben in den vergangenen Wochen wirklich gute und offene Gespräche geführt», sagte Niersbach. «Danach konnten wir davon ausgehen, dass es durchaus auch in seinem Interesse lag, noch einmal als Kapitän der Nationalmannschaft aufzulaufen.» Der DFB hätte ihm sogar angeboten, sowohl gegen Uruguay Ende Mai als auch gegen Brasilien zu spielen, um somit auf 100 Länderspiele zu kommen. Das wollte Ballack aber nicht, «weil ihm die Zahl nicht so wichtig war, dass er sie unter allen Umständen erreichen wollte - so jedenfalls hat er es mir vermittelt», berichtete der Funktionär. Er hofft, dass sich das Verhältnis zu Ballack wieder bessert. Er könne und wolle nicht an «das Ende der freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns glauben», so Niersbach. Wie sich der Streit ausräumen lässt, ist derzeit aber offen. Ballack scheint tief verletzt über seine Ausbootung - zumindest lässt die Erklärung am Freitag den Schluss zu. Dabei war das Ende seiner Länderspiel-Karriere, die ohne Titel blieb, lange erwartet worden. Der Mittelfeldspieler hatte sein letztes Spiel im DFB-Trikot am 3. März 2010 beim 0:1 gegen Argentinien bestritten, die anschließende WM verpasste er wegen einer Fußverletzung. Beim Turnier in Südafrika und in der Zeit danach unterstrich das junge DFB-Team mit seiner Spielweise, dass es Ballack als «Capitano» nicht mehr braucht.
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