Alle Widrigkeiten wie die Ausfälle von Sami Khedira und Simon Rolfes, die lange Reise, drei Stunden Zeitunterschied, ein holpriger Platz und ein laut Löw «aufsässiger» Gegner sollen kein Anlass für Ausreden sein. «Ich erwarte von der Mannschaft, dass wir die ganzen Kräfte noch einmal bündeln», erklärte der Bundestrainer energisch. Löw warnt seine Verlegenheitstruppe davor, das Team des ehemaligen Bundestrainers Berti Vogts zu unterschätzen und an dessen 1:2-Pleite in Kasachstan zu messen. «In Aserbaidschan gibt es keinen Spaziergang. Die Türken haben da letztes Jahr 0:1 verloren. Und ich erinnere mich an die Aussage von Trainer Guus Hiddink: 'Aserbaidschan hat uns niedergekämpft und völlig verdient gewonnen», erzählte Löw. 6:1 endete das Hinspiel - «aber es wird nicht so laufen wie zu Hause», prophezeite Löw. Denn Leistungsträger wie Özil sind müde und Akteure wie Arne Friedrich oder Lukas Podolski leicht angeschlagen. Dazu kommt der Ausfall zahlreicher Stammkräfte. «Im Mittelfeld haben wir ein Problem», benannte Löw die größte Komplikationszone. Er erwägt sogar eine taktische Abkehr von der «Doppel-Sechs» vor der Abwehr hin zu «drei variabel agierenden» Mittelfeldspielern. Toni Kroos und Özil sind gesetzt, der dritte Mann könnte das Dortmunder Supertalent Mario Götze sein. Die nachnominierten U 21-Nationalspieler Holtby (1 Länderspiel) und Rudy (0) sollen zunächst den Kader wieder auf 18 Akteure auffüllen. Beide stehen noch im Saft, waren in der letzten Woche 90 Minuten bei der 2:4-Niederlage der U 21 in Portugal aktiv. «Sie sind zwei Spieler, die im zentralen Mittelfeld spielen können. Sie sind schon länger bei uns im Fokus», sagte Löw über das Duo. In Abwehr und Offensive will Löw keine großen Umbesetzungen vornehmen. Am Montag sollten die Spieler wegen der Zeitverschiebung extra spät schlafen gehen. Das Spiel beginnt am Dienstag erst um 22.00 Uhr Ortszeit. «Wir müssen alles mobilisieren», forderte Löw. Die Luxussorgen des DFB-Trainers hätte Berti Vogts gerne. Der frühere Bundestrainer steht im Fußball-Entwicklungsland Aserbaidschan vor dem Ende seiner Mission - der 64-Jährige ist zur Zielscheibe verärgerter Fans und Journalisten geworden. Vogts wird zum Rücktritt gedrängt, der Rahmen des Zumutbaren scheint überschritten. Noch hält er den Attacken gegen seine Person stand und will in dem auch für ihn besonderen Spiel gegen Deutschland seiner «Mannschaft helfen». Viel ausrichten kann Vogts («Ich freue mich, wenn ich Mittwoch wieder zu Hause bin») mit seinen unbedarften Kickern wohl kaum. «Es ist nicht die Frage, wie stark ist Aserbaidschan, sondern wie stark werden wir uns nochmals präsentieren», betonte Löw. Das Schlusswort für das Nach-WM-Jahr hat der 51 Jahre alte Bundestrainer auch schon gesprochen: «Wenn wir dieses Spiel gewinnen, hat die Mannschaft in dieser Saison Großartiges geleistet.»
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