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Nach Gomez-Glück und Rekord: Nun Kraftakt in Baku

Wien (dpa) - 05.06.2011, 11:36 Uhr

Das DFB-Team hat mit sechs Siegen in sechs EM-Quali-Spielen eine makellose Bilanz.
Das DFB-Team hat mit sechs Siegen in sechs EM-Quali-Spielen eine makellose Bilanz.

Sechs Siege in sechs Spielen um das EM-Ticket - das ist nach dem Glückserfolg in Österreich Rekord für das DFB-Team. Auch deshalb wollten sich Joachim Löw und Matchwinner Gomez nach dem 2:1 im Bruderkampf gar nicht mehr intensiv mit den Unzulänglichkeiten des Spiels beschäftigen.

Der Bundestrainer richtete vor der Weiterreise am Montagmorgen nach Baku schon alle Aufmerksamkeit auf den letzten Kraftakt in Aserbaidschan: «Da müssen wir nochmals alles abrufen, dann können wir in den verdienten Urlaub gehen», sagte Löw.

Der «glückliche Sieg» gegen mutige Österreicher war am Wochenende schnell abgehakt im DFB-Hotel unweit des Wiener Stephansdoms. «Am Ende stehen drei Punkte, und wir haben das Tor ganz weit aufgestoßen zur Qualifikation», betonte Doppel-Torschütze Gomez. Nun wollen der Münchner Torjäger und seine Kollegen auch den Widrigkeiten des Aserbaidschan-Trips mit langer Anreise, Zeitverschiebung und der unbequemen Spielweise des Gegners trotzen. «Zuletzt hatten wir dort 2009 mit großer Mühe gewonnen. All diese Probleme müssen wir erst einmal bewältigen - aber wir werden sie bewältigen», sagte Löw.

Ausgerechnet Gomez, der sich bei der EURO 2008 an gleicher Stätte nach einer ausgelassenen Riesenchance noch als Depp fühlen musste, hatte am Freitagabend vor 47 500 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion mit seinem dritten Doppelpack im Nationalteam (44./90. Minute) gegen die «Ösis» alles klargemacht. «Für das Pech, das ich damals hatte, hatte ich jetzt das Glück. Der Fußball ist verrückt», sagte Gomez.

Verantwortlich für die großen Probleme seines Teams machte der Bundestrainer vor allem den Kräfteverlust bei den WM-Helden wie Mesut Özil, die seit dem umjubelten Turnier in Südafrika im Dauereinsatz waren. «Man spürt, dass die Spieler am Limit ihrer Kräfte sind. Tempospiel war nicht möglich. Doch man muss auch solche Spiele gewinnen», sagte Löw. Für sein geschlauchtes Personal steht nun am Dienstag im Tofik-Bachramow-Stadion von Baku die letzte Saisonaufgabe gegen die Truppe von Berti Vogts an.


Mit einem weiteren «Dreier» würde das DFB-Team mit der makellosen Bilanz von sieben Siegen in sieben EM-Qualifikationsspielen in den Sommerurlaub gehen. «Das wäre eine insgesamt überragende Leistung in der Nach-WM-Saison», bemerkte Löw. Nur einmal, in der Qualifikation zur WM 1982, konnte Deutschland eine solche Serie hinlegen. Damals gab es sogar acht Erfolge - in der EM-Quali hat man jetzt schon eine bemerkenswerte Bestmarke gesetzt.

«So viel Selbstvertrauen haben wir, dass wir die Tabellenführung nicht mehr abgeben wollen. Die Türken haben in Belgien 1:1 gespielt, das ist auch ein positives Ergebnis», bemerkte Manager Oliver Bierhoff. Mit sieben Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Belgien und acht auf die Türkei führt das Löw-Team souverän die Gruppe A an. Die mutig kämpfenden Österreicher (7) sind im Rennen um Platz zwei, der zwei K.o.-Spiele garantiert, auch noch nicht ganz abgeschrieben.

Tim Wiese ist wegen eines Krankheitsfalles in der Familie in Baku nicht mit dabei. Andere wie Simon Rolfes, Arne Friedrich, Sami Khedira und Lukas Podolski, der am Samstag seinen 26. Geburtstag feierte, sind nach dem Österreich-Spiel angeschlagen.

«Es war eines dieser Spiele, wo man sagt, es war ein rabenschwarzer Tag. Umso schöner, dass man das Spiel noch gewinnt», sagte Abwehrchef und Eigentor-Schütze Friedrich nochmals zum Duell mit den Österreichern. «In Spielen, wo man schlecht spielt, muss man trotzdem an sich glauben», betonte Kapitän Philipp Lahm. Und Teammanager Bierhoff sprach aus, was den österreichischen Fans so wehgetan hatte: «Wir haben typisch deutsch gespielt.»

Löw, der den lange verletzten Khedira gegen Austria in die Startelf gestellt hatte, musste gerade im defensiven Mittelfeld viel improvisieren. Der Leverkusener Rolfes hatte sich leicht verletzt abgemeldet, so dass der gelernte Verteidiger Mats Hummels am Ende als Abräumer aushelfen musste. «Es war klar, dass er nicht 90 Minuten mit Dynamik seine Arbeit verrichten kann wie sonst», sagte Löw zum durchwachsenen Comeback von Real-Madrid-Profi Khedira.

Voll im Saft steht dagegen Gomez, der «vor Selbstbewusstsein strotzt», wie Löw bemerkte. «Ich will so weitermachen, dann hat der Bundestrainer die Qual der Wahl», sagte der Torschützenkönig der Bundesliga zur Konkurrenzsituation mit dem verletzten Miroslav Klose, der Stürmer Nummer eins bei Löw ist. «Mario war für mich schon lange ein Stammspieler. Jetzt ist Miro Klose nicht da. Daher ist es müßig, über diese Dinge zu reden», bemerkte Löw. Und auch Gomez hielt sich - zumindest verbal - zurück: «Es gibt keine Kampfansagen.»

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