Löws schwieriger Akt: Länderspiele ohne Spannung
Berlin (dpa) - 21.03.2011, 11:46 Uhr
Joachim Löw beobachtet die Bayern-Nationalspieler in der Bundesliga.
Nach über fünfmonatiger Pause geht es für Özil, Schweinsteiger und Co. wieder um Punkte - noch will aber kaum jemand etwas davon wissen. Die Fußball-Debatten drehen sich unverändert um die verrückte Bundesliga. Die sportlichen Schlagzeilen gehören dem sich drehenden Trainer-Karussell, für Joachim Löw und die deutsche Nationalmannschaft wird der anstehende Doppelspieltag aber zu einem ganz schwierigen Akt. Vom 22. März an versammelt der Bundestrainer seinen 23-Mann-Kader in Mainz. «Wir wollen uns gegen Kasachstan einen weiteren Sieg in der EM-Qualifikation sichern, um unsere Tabellenführung und gute Ausgangsposition zu festigen», erklärte Löw zur Pflichtnummer in Kaiserslautern. Die EM-Aufgabe gegen den krassen Außenseiter, der im Oktober im Hinspiel mit 3:0 besiegt worden war, und erst recht der Test drei Tage später in Mönchengladbach gegen Australien versprechen wenig Spannung. Löw aber hat vor der Partie gegen Kasachstan gleich vier Trainingseinheiten für sein Aufgebot in WM-Stärke angesetzt. «Wie immer werden wir uns einen umfassenden Überblick über den Gegner verschaffen und dann unsere Strategie festlegen», berichtete Löw-Assistent Hansi Flick über das Programm der DFB-Trainer, die sich nach den überraschenden kollektiven Vertragsverlängerungen bis 2014 erstmals wieder zu einer Spielvorbereitung treffen.
Personell hat der Bundestrainer schon mit der Nominierung einen weiteren Schnitt gemacht. Noch-Kapitän Michael Ballack ist weiterhin kein Thema. Heiko Westermann wurde nicht eingeladen, auch wenn Löw dem Hamburger eine Rückkehr Ende Mai in Aussicht stellte. Sieben der 23 WM-Helden vom südafrikanischen Sommer 2010 sind mittlerweile aussortiert. «Die Mannschaft ist auf einem sehr gutem Weg», bemerkte der Chefcoach, der die Verjüngung der Verjüngung vorantreibt. Vor allem im zweiten Spiel gegen Australien wird Löw schon in Richtung EM-Endrunde 2012 weiter experimentieren, um «den einen oder anderen Spieler mal über 90 Minuten zu sehen, der bisher noch nicht so viele Einsätze hatte». Spätestens dann soll auch der Dortmunder Sven Bender (21) zu seinem Länderspieldebüt kommen. Den Verband allerdings stürzt Löws Freundschaftsspiel-Philosophie in Probleme. Denn längst haben die Fans mitbekommen, dass sie in Tests nicht unbedingt mehr Deutschlands erste Garnitur sehen, obwohl sie nicht ganz billige Tickets für ihre Lieblinge buchen. Selbst beim jüngsten 1:1 im Klassiker gegen Italien blieben in Dortmund viele Plätze der teuersten Kategorie frei. Für die Partie in Mönchengladbach gegen Australien am 29. März hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) derzeit gerade mal rund 25 000 Karten verkauft.
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