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Labbadia zum Siegen gegen Fulham verdammt

Hamburg (dpa) - 21.04.2010, 19:58 Uhr

Für Hamburgs Trainer Bruno Labbadia zählt gegen Fulham nur ein Sieg.
Für Hamburgs Trainer Bruno Labbadia zählt gegen Fulham nur ein Sieg.

Nach dem Absturz in der Bundesliga muss Trainer Bruno Labbadia den Schalter in der Europa League umlegen, sonst kann er sich wohl einen neuen Job suchen. Nach nur zehn Monaten ist der 44 Jahre alte Coach des Hamburger SV im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Fulham zum Siegen verdammt.

Nur ein Einzug ins Finale am 12. Mai im eigenen Stadion kann Labbadia retten, denn auch der Vorstand des Bundesliga-Siebten hat registriert, dass der Übungsleiter kaum noch Autorität bei seinen Führungsspielern genießt. «Wir haben gegen Lüttich und Anderlecht gezeigt, was wir können. Ich bin sehr zuversichtlich. Für uns soll es ein Festtag werden», sagte Labbadia.

Es sei etwas Besonderes, in ein Finale einzuziehen. «Das ist Motivation genug, an die 100 Prozent zu kommen», meinte der Trainer und forderte von seiner Mannschaft «Geduld und ein gewisses Tempo». Die Anreiseprobleme der West-Londoner, die wegen der Vulkan-Asche die rund 900 Kilometer lange Strecke via Brüssel per Bus- und Zug plus Zwischenübernachtung in Dortmund bewältigen mussten, muten gegen die Krise der Norddeutschen banal an - auch wenn sie auf dem letzten Teilstück von Bremen nach Hamburg noch lange im Stau standen. «Das war keine optimale Vorbereitung. Es wird schwierig für uns», sagte Coach Roy Hodgson. Torhüter Mark Schwarzer nahm es mit Galgenhumor: «Wir hatten heute drei Stunden zum Warmmachen auf der Autobahn.»

Raus aus der Liga-Tristesse, rein ins Europa-Vergnügen, soll die HSV-Parole lauten. Ob es jedoch wieder so einfach sein wird, bezweifeln viele an der Elbe. Denn den Respekt im Mannschaftskreis hat sich Labbadia nicht zuletzt durch die öffentliche Vorführung von Torhüter Frank Rost wegen der Kino-Affäre verscherzt. Zwei gute Auftritte gegen Wolfsburg-Bezwinger Fulham sollen das gestörte Verhältnis zumindest kurzfristig überdecken.

Dass die explosive Stimmung die Motivation anheizen kann, glaubt jedenfalls Ruud van Nistelrooy: «Das kann auch helfen. Wir können Historisches erreichen.» Besonders eifrig wird sich der in der Liga gesperrte Paolo Guerrero präsentieren, der in seinem ersten Heimspiel nach dem Flaschenwurf einiges gutzumachen hat bei den Fans.


Möglicherweise denken einige Akteure im HSV-Team an ihre eigene Karriere, wenn sie in der Europa League plötzlich schneller laufen als in der Bundesliga: Die Spione der Top-Clubs sitzen auf der Tribüne. Ins Visier soll insbesondere Dennis Aogo geraten sein, der laut «Bild» und «Sport-Bild» mehrmals vom AC Mailand unter die Lupe genommen wurde. Ob sich der zweite U-21-Europameister nach Jerome Boateng trotz eines Vertrags bis 2012 Richtung Ausland orientiert, hängt auch vom Ausgang des neunten Europacup-Halbfinales in der Geschichte des Bundesliga-Dinos ab. «Ich habe davon gehört, aber ich bin der Meinung, dass das hier absolut nicht hingehört», sagte Aogo.

Der Halbfinal-K.o. gegen Werder Bremen im Vorjahr sei noch im schmerzhafter Erinnerung: «Wir spielen mit einer Menge Wut im Bauch, dazu wollen wir ins Finale im eigenen Stadion - mehr Motivation geht nicht», betonte Aogo. Fünfmal konnten die Hanseaten bereits in ein Finale einziehen. «Es ist ein anderer Gegner als Lüttich, Anderlecht oder Eindhoven. Premier League ist ein anderes Niveau. Außerdem geht es für sie seit Wochen um nichts mehr», sagte van Nistelrooy.

Die Erfahrung von Trainer Roy Hodgson ist zudem ein Pfund, mit dem der Tabellenzehnte wuchern kann. Der Coach formte eine starke Defensive, die oft zu null spielt. Sein Team warf aufsehenerregend Titelverteidiger Schachtjor Donezk und Juventus Turin aus dem Rennen und steht erstmals in einer europäischen Vorschlussrunde.

«Wenn man gegen ein deutsches Team gelost wird, weiß man, dass es ein hartes Spiel wird», versicherte Hodgson, der nicht glaubt, dass die Aussicht auf das Finale im eigenen Stadion für den HSV von Vorteil ist. «Das ist zwar eine Extra-Motivation für die Hamburger. Aber die hatte Real Madrid auch.» Die Spanier waren im Achtelfinale der Champions League gescheitert, obwohl sie das Finale im heimischen Bernabeu-Stadion vor Augen hatten.

Voraussichtliche Mannschaften:

Hamburger SV: Rost - Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Zé Roberto - Trochowski, Pitroipa - van Nistelrooy, Guerrero

FC Fulham: Schwarzer - Baird, Hangeland, Hughes, Konchesky - Duff, Etuhi, Murphy, Davies - Gera - Zamora  

Schiedsrichter: Bo Larsen (Dänemark)

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