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Nach HSV-Querelen: Seeler fordert «Trotzreaktion»

Hamburg (dpa) - 20.04.2010, 16:16 Uhr

HSV-Ehrenkapitän Uwe Seeler erwartet von seinem Verein einen Titiel.
HSV-Ehrenkapitän Uwe Seeler erwartet von seinem Verein einen Titiel.

Uwe Seeler fordert in den Alles-oder-Nichts- Spielen gegen den FC Fulham eine «Trotzreaktion» - und die Profis des Hamburger SV geloben Besserung.

Mit einem Glanzauftritt auf Europas Fußball-Bühne wollen die Hanseaten die jüngsten Querelen überspielen und ihrem angeschlagenen Coach Bruno Labbadia den Rücken stärken. «Wir möchten unserem Trainer und uns selber helfen, aus dieser Situation rauszukommen», sagte HSV-Kapitän Jarolim zwei Tage vor dem Halbfinal-Hinspiel.

Knapp 20 Stunden zuvor hatten sich Jarolim und Co. mit einem gemeinsamen Grillabend auf die Partie gegen die Briten eingeschworen. Ganz im Sinne von Club-Ikone Uwe Seeler, der gegen den Premier-League-Club eine klare Leistungssteigerung sehen will. «Erst danach kann man über die Dinge diskutieren, die vielleicht nicht so in Ordnung sind», sagte Seeler der Nachrichtenagentur dpa. Stürmerstar Ruud van Nistelrooy konnte den «Spannungen und der Unzufriedenheit» mit Blick auf das Hinspiel indes sogar Positives abgewinnen: «Das ist Extra-Motivation für Donnerstag.»

Während der Niederländer die Unruhe nach dem erstmaligen Abrutschen aus den internationalen Bundesliga-Rängen als «normal» einstufte, schrillen beim Aufsichtsrat längst die Alarmglocken. Und so soll am 10. Mai die erste Spielzeit unter dem in die Kritik geratenen Labbadia schonungslos analysiert werden. «Die Situation ist wirklich unschön. Wir müssen die Saison nach dem letzten Spiel sehr kritisch aufarbeiten», kündigte Aufsichtsratschef Horst Becker in der «Bild»-Zeitung an.

Die Struktur des Teams sei nicht unproblematisch, von der Mentalität her scheine einiges nicht zusammenzupassen, so die erste Analyse des HSV-Oberkontrolleurs. Zu Labbadias Zukunft will er sich, ebenso wie Seeler («An Spekulationen will ich nicht teilnehmen.»), «generell nicht äußern»: «Das ist Sache des Vorstands.» Glaubt man dem niederländischen Fachblatt «Voetbal International», so scheint Clubboss Bernd Hoffmann bereits nach dem fünften Coach binnen fünf Jahren Ausschau zu halten. Als möglicher Labbadia-Nachfolger wird in den Niederlanden bereits der Engländer Steve McClaren gehandelt, der mit Twente Enschede kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft steht.


Doch das ist allenfalls Zukunftsmusik. Weitaus dringlicher ist für Seeler die Chance, in dieser Saison die trophäenlose Zeit von 23 Jahren zu beenden. «Um endlich wieder einen Titel nach Hamburg zu holen», solle das Team alle Nebengeräusche ignorieren. «Dass die Stimmung nicht gerade angenehm ist, ist klar. Trotzdem muss man nicht schwarz sehen», sagte der frühere Präsident. Zumal den Engländern eine strapaziöse Odyssee von bis zu zwölf Stunden in den Knochen stecken wird. Die Fulham-Reisegruppe machte sich mit dem Zug auf den Weg nach Hamburg, da die Aschewolke eine Anreise mit dem Flugzeug verhinderte. «Mir tun die 200 Fans leid, die mit uns reisen wollen», sagte Fulhams Trainer Roy Hodgson.

Derweil versicherte «Unruhestifter» Rost in der Sat.1-Sendung «ran», dass alle Akteure den Ernst der Lage erkannt und fest das Finale am 12. Mai im eigenen Stadion im Visier hätten. «Letztendlich eint uns ja, dass wir gerne Erfolg haben. Da müssen wir sämtliche persönlichen Eitelkeiten zurückstellen», sagte Rost. Dass er am Freitagabend vor dem 0:1 gegen Mainz mit einigen Teamkollegen ins Kino gegangen war, ohne dies bei Labbadia anzumelden, bezeichnete der 36-Jährige als «Fehler». «Da muss man dann auch die Konsequenzen ziehen», kommentierte Rost seinen Rückzug aus dem Mannschaftsrat.

Zugleich machte Rost seinem Ruf als meinungsstarker Profi wieder einmal alle Ehre. Für den streitbaren Keeper sind die häufigen Trainerwechsel eine der Ursachen für die Probleme. «Jedes Jahr kommt ein neuer Trainer, der neue Ideen hat, der eine andere Philosophie hat. Das ist unwahrscheinlich schwierig. Das nagt an dem Verein, das nagt auch an den Spielern», sagte Rost.

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