HSV im Halbfinale - Petric rettet Labbadia
Lüttich (dpa) - 09.04.2010, 13:42 Uhr
Jerome Boateng (r) gratuliert Mladen Petric zu seinem zweiten Treffer.
HSV-Chef Bernd Hoffmann fiel den Profis um den Hals, der angezählte Trainer Bruno Labbadia ließ seinen aufgestauten Frust heraus und Torschütze Paolo Guerrero will gegen seine Sperre kämpfen. «Ich weiß gar nicht, ob es jemand merkt, dass die größte Krisenmannschaft Deutschlands im Halbfinale steht. In Hamburg herrscht eine Stimmung wie beim Tabellen-18.», sagte der wütende Labbadia nach dem grandiosen Halbfinal-Einzug in der Europa League beim 3:1 in Standard Lüttich, den Supertechniker Mladen Petric mit einem Kopfballtreffer und einem artistischen Fallrückzieher ebnete. «Das war Balsam für die geschädigten Seelen, ein wichtiger Schritt für die Mannschaft und den Trainer - auch ein Erfolg für den Trainer, ein Riesenerfolg», sagte der erleichterte Hoffmann beim Besteigen der Chartermaschine. Stunden zuvor hatte der ehrgeizige Clubchef die Profis am Spielfeldrand abgeklatscht, geherzt und Keeper Frank Rost sogar robust-herzlich mehrmals auf den Kopf gehauen. Sein Fazit des Abends: «Der Wettbewerb bietet eine historische Chance, ein oder zwei Schritte gegen Fulham fehlen noch.» Mit Freude werde er am Dienstag in Hamburg den Pokal schon einmal aus den Händen von UEFA- Präsident Michel Platini in Empfang nehmen.
Doch das drängendste Thema umschiffte Hoffmann trotz der Euphorie um ein mögliches Heim-Finale am 12. Mai: Die brenzlige Situation um Labbadia, der bei einem Dämpfer in der Bundesliga in Bochum wohl schon wieder auf der Abschussliste stehen würde. Ein klares Bekenntnis zu dem 44 Jahre alten Übungsleiter, der nicht mehr bei allen Teilen der Mannschaft Rückhalt findet, wollte er nicht abgeben: «Jetzt hoffen wir auf einen Schub für die Liga. Wir haben es selbst in der Hand, uns wieder international zu qualifizieren». Labbadia machte derweil Werbung in eigener Sache: «Ich stand letztes Jahr mit Leverkusen im DFB-Pokalfinale, jetzt mit dem HSV im Europa-League-Halbfinale - das ist es, was mich antreibt», sagte der 44-Jährige: «Das Wichtigste ist, sich von den negativen Schlagzeilen nicht beeinflussen zu lassen und als Trainer voranzugehen. Ich war sehr entspannt, auch wenn die Bewertung so war, als sei ich der Blindeste.» Ob der Riss zwischen ihm und dem Team überhaupt noch zu kitten ist, werden erst die nächsten Aufgaben im Liga-Alltag zeigen. |