«Schämt Euch!» Juve nach Europa-Blamage am Boden
London (dpa) - 19.03.2010, 14:00 Uhr
Nach dem verlorenen Spiel gegen den FC Fulham trotten die Spieler von Juve über das Spielfeld.
Selten um Nachsicht bemüht, fielen Italiens Medien auch einen Tag nach der peinlichen Europapokal-Schlappe von Fulham über Juventus Turin her. «Schämt Euch!», warf Juves Haus- und Hofzeitung «Tuttosport» in ihrer Online-Ausgabe den Fußballern des Rekordmeisters an den Kopf. Mit 1:4 waren die Turiner beim FC Fulham sang- und klanglos aus der Europa League ausgeschieden - der Tiefpunkt einer völlig verkorksten Saison, die vielversprechend begonnen hatte, mit dem Champions-League-Aus gegen den FC Bayern aber kippte und nun zu einem Desaster in Schwarz-Weiß zu verkommen droht. «Ich hätte nie gedacht, so zu verlieren», räumte Alessandro Del Piero - seit Jahren die Galionsfigur der Turiner - konsterniert ein. «Für diesen Moment sind nur wir Spieler verantwortlich.» Dabei konnte sich der Weltmeister von 2006 kaum etwas vorwerfen lassen, wurde er doch erst in der Nachspielzeit eingewechselt - eine Demütigung für Del Piero, der den festgefahrenen Juve-Karren in diesem Jahr schon einige Male aus dem Dreck gezogen hatte.
Seinen Zenit hat der 35-Jährige längst überschritten, die Zukunft bei Juventus wird anderen gehören. Aber ob die Protagonisten von morgen in London schon auf dem Platz standen, darf bezweifelt werden. Diego, im Herbst als Heilsbringer gefeiert, lieferte auch bei Fulham einen eindrucksvollen Beweis seines Formtiefs. Für Routinier Fabio Cannavaro war die Partie nach einem bösen Foul und der Roten Karte schon nach einer knappen halben Stunde vorbei. Einzig David Trezeguet sorgte mit seinem 1:0 für einen minimalen Lichtblick. Ausgerechnet der Franzose dürfte Turin aber im Sommer verlassen. Wie geht es weiter in der Autostadt? Der Traditionsverein ist auf der Suche nach Identität, die Fans sind sauer: Nach der Schmach von Fulham umzingelten Juve-Ultras den Mannschaftsbus, die Beschimpfungen galten neben Cannavaro vor allem Jonathan Zebina. Dieser hatte nach seinem Platzverweis in der Nachspielzeit den Fans den Mittelfinger gezeigt und damit den geballten Tifosi-Zorn auf sich gezogen. |