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Umstrittener Elfmeter hilft Werder in Valencia

Valencia (dpa) - 12.03.2010, 11:20 Uhr

Der Bremer Mesut Özil (l) scheitert an Valencia Torwart Cesar Sanchez.
Der Bremer Mesut Özil (l) scheitert an Valencia Torwart Cesar Sanchez.

Die Spanier fluchten, Claudio Pizarro grinste fröhlich. Verschmitzt lächelnd erklärte der Bremer Fußball-Profi in den Katakomben des Estadio Mestalla, wie es zu dem rätselhaften Elfmeter gekommen war, der Werder das wichtige Auswärtstor beim 1:1 (1:0) in Valencia beschert hatte.

«Ich bin geschubst worden», sagte der Angreifer nach dem Europa-League-Spiel: «Das war ganz klar, der Schiedsrichter stand ja zwei Meter daneben.» Der Strafstoß, den Kapitän Torsten Frings (24. Minute) sicher verwandelte, blieb für die meisten der 42 0000 Menschen im engen Stadion hingegen unerklärlich. Außer dem englischen Referee Martin Atkinson hatte das Vergehen von David Navarro kaum jemand als solches erkannt, selbst Bremens Per Mertesacker gab zu: «Das 1:0 haben wir vielleicht ein bisschen geschenkt bekommen.»

Pizarro war das egal. Für ihn war der Elfmeter völlig in Ordnung, der fast wie auf Bestellung kam. «Ich habe dem Schiedsrichter vorher gesagt, die spielen nur auf Foul», berichtete der Peruaner. «Der hat aufgepasst», sagte er zur umstrittensten Szene einer hochklassigen und rassigen Achtelfinal-Partie, die ein packendes Rückspiel erwarten lässt. Trotz des Ausgleichs durch Juan Manuel Mata (57.) ist Werder im Vorteil.

«Es war sicher erstmal überraschend, aber am Fernseher konnte man sehen, dass er am Trikot gezogen worden ist», erklärte Clubchef Klaus Allofs im zugigen Unterbau des alten Stadions: «Jedes Ziehen, jedes Stoßen soll geahndet werden, und im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat er das umgesetzt.» Valencias Trainer Unai Emery schimpfte derweil: «Wir sind empört. Es ist unverantwortlich, einen solchen Elfmeter zu pfeifen.» Und die Sportzeitung «Marca» schrieb: «Der Elfmeter war eine Erfindung des Schiedsrichters.»

Genauso unerwartet wie der Elfmeter kam die Rote Karte gegen Ever Banega, denn außer dem Schiedsrichter-Assistenten hatte kaum einer die Tätlichkeit gegen Marko Marin gesehen, die rund 40 Meter abseits des Spielgeschehens passierte. «Er hat mir mit der flachen Hand ins Gesicht gehauen», berichtete Marin. «Er hat noch was gesagt, aber was, weiß ich nicht. Ich kann ja kein spanisch.» Allofs versicherte: «Das konnten wir gut sehen, es war ja vor unserer Bank.»


Werders Clubchef sagte aber auch: «Die Entscheidungen des Schiedsrichters haben uns nicht unbedingt geholfen.» Dadurch sei «das Stadion erst richtig wach geworden». Die Fans des FC Valencia erzeugten eine beeindruckende Kulisse, und die Angreifer um Torjäger David Villa demonstrierten bei ihren schnellen Angriffen ihre technische Klasse. Mehr als einmal benötigten die Bremer Glück und das Geschick ihres starken Keepers Tim Wiese.

Chancenlos war Wiese beim Gegentreffer unmittelbar nach dem Platzverweis. «Zu elft haben wir wohl gedacht, wir müssen weniger laufen», kritisierte Allofs. Tatsächlich machten die Werder-Profis zu wenig aus ihrer numerischen Überlegenheit und verpassten es, eine noch bessere Ausgangsposition zu erzielen. «Wir waren nach dem Platzverweis zu passiv», kommentierte Trainer Thomas Schaaf, der die beiden umstrittenen Szenen nach eigener Aussage nicht gesehen hatte: «Ich saß so tief.»

Ohne jeden Respekt gingen die Bremer die Aufgabe im Hexenkessel des Mestalla-Stadions an. Schon nach fünf Minuten hätte Özil die Norddeutschen in Führung bringen können, doch der von Claudio Pizarro glänzend in Szene gesetzte Nationalspieler zielte knapp über das Tor. Werder machte weiter Druck, profitierte beim Führungstor aber auch von einem wohl gesonnenen Schiedsrichter. Nach einem Körperkontakt zwischen Banega und Pizarro deutete der englische Referee Martin Atkinson zur Überraschung aller auf den Elfmeterpunkt. Frings ließ sich die Chance zum wichtigen Auswärtstor für Werder nicht entgehen.

Doch die Führung verlieh dem Spiel der Hanseaten keine Sicherheit, denn plötzlich drehte der Tabellen-Dritte der Primera Division auf und stand gegen wankende Bremer gleich mehrfach dicht vor dem Ausgleich. In diesen zehn bangen Minuten erwies sich Wiese als Rückhalt. Seine größte Tat vollbrachte der Schlussmann, als er einen 16 Meter-Schuss des Argentiniers Banega (33.) mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte. Aber auch Thomas Schaafs Team setzte weiter offensive Nadelstiche. Der quirlige Marin fand jedoch in Keeper Cesar Sanchez seinen Meister (35.).

Das Offensiv-Spektakel setzte sich im zweiten Durchgang fort. Nach vergebenen Großchancen von Pizarro (49.) und Pablo Hernandez (50.) überschlugen sich die Ereignisse. Banega musste wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Marin vom Platz, dann gelang Mata nach einer der wenigen Unsicherheiten in der Bremer Hintermannschaft das 1:1. Trotz Überzahl gelang es den Bremern in der Schlussphase kaum noch, sich vom Druck zu befreien und für Entlastung zu sorgen.

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