Bevor sich der Hamburger SV den Nordrivalen Werder Bremen vorknöpft, will er in der Europa League Gruppensieger werden. Um das zu schaffen, reicht dem Fußball-Bundesligisten bei Hapoel Tel Aviv bereits ein Unentschieden.
Das ist Trainer Bruno Labbadia jedoch zu wenig. «Wir wollen gewinnen», betont der 43 Jahre alte Coach. Sowohl die Hamburger als auch Tel Aviv haben sich bereits für die K.o.-Runde qualifiziert, Streit gibt es lediglich um die Platzierungen.
Wer Gruppen-Erster wird, hat zwei Vorteile: Er darf das entscheidende Rückspiel im Sechzehntel-Finale daheim austragen und er vermeidet bei der Auslosung einen anderen Gruppensieger als Rivalen. Doch die Sache hat einen Pferdefuß: Da aus der Champions League die acht Gruppen-Dritten in die Europa League absteigen, ist es möglich, dass der HSV als Gruppensieger gegen den FC Liverpool oder Atletico Madrid antreten müsste. Als Gruppen- Zweiter kämen die Champions-League-Absteiger Unirea Urziceni, Olympique Marseille oder Juventus Turin infrage. Abwehrspieler Dennis Aogo sieht es deshalb «als nicht entscheidend» an, Erster zu werden.
Nach dem 4:0 in der Bundesliga beim 1. FC Nürnberg herrscht bei den Hamburgern eine entspannte Stimmung. Die Erfolglos-Phase von zuvor sieben sieglosen Bundesliga-Partien ist Geschichte. «Wir wollen an die Leistung von Nürnberg anknüpfen und die Konzentration hoch halten», sagt Labbadia. Die Israelis können ausgeruht in die Partie gehen, weil ihr Meisterschaftsspiel am Wochenende wegen sintflutartiger Regenfälle abgesagt wurde. «Das ist kein Nachteil für uns», meint HSV-Kapitän David Jarolim. «Wir kennen den Rhythmus.» Zudem haben die Hamburger das Hinspiel gegen Hapoel mit 4:2 gewonnen.
Um die Kräfte für den Bundesliga-Hit gegen Bremen zu schonen, will Labbadia gegen den zwölfmaligen israelischen Meister auf Rotation setzen. Im Sturm wird vermutlich Marcus Berg den Platz von Mladen Petric einnehmen, der nach seiner langen Verletzungspause erstmals in Nürnberg über 90 Minuten zum Einsatz kam; im Mittelfeld steht als Ersatz für Eljero Elia, der immer noch über Schmerzen am Knöchel klagt, Nationalspieler Piotr Trochowski bereit. Fehlen werden weiterhin Jonathan Pitroipa sowie die Langzeitverletzten Zé Roberto, Paolo Guerrero, Alex Silva, Collin Benjamin, Romeo Castelen und Bastian Reinhardt.
Während die Mannschaft auf dem Rasen Fortschritte nachweist, bleiben die Erfolgsmeldungen in der Führungsebene rar. Auch sechs Monate nach dem Abgang von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer ist kein Nachfolger in Sicht. Der als Kandidat gehandelte Horst Heldt sagte dem HSV ab. «Ich wurde vom HSV kontaktiert. Wir haben momentan aber andere Probleme in Stuttgart. Es ist absolut kein Thema, zum HSV zu gehen», sagte Heldt der «Bild»-Zeitung. Im Rennen sollen dagegen noch zwei andere Sportdirektoren von Bundesliga- Rivalen sein: Martin Bader vom 1. FC Nürnberg und Jörg Schmadtke von Hannover 96.
Voraussichtliche Aufstellungen:
Hapoel Tel Aviv: Enyeama - Bondarv, Badir, da Silva, Ben Dayan - Menteschaschwili, Yadin - Vermouth, Natcho, Shechter - Yeboah