Schiedsrichter Kircher testet Torrichter
Frankfurt/Main (dpa) - 16.09.2009, 11:33 Uhr
Auf Schiedsrichter Knut Kircher kommt in der Europa League eine besondere Aufgabe zu.
In der Schiedsrichter-Kabine wird's richtig eng: Knut Kircher, einer der deutschen Spitzenreferees, reist mit gleich fünf Kollegen zum Europa-League-Spiel Benfica Lissabon gegen BATE Borissow/Weißrussland Dort testet der Maschinenbauingenieur aus Rottenburg - wie alle seine Kollegen in der Gruppenphase - erstmals die Torrichter. «Das ist vergleichbar mit einem Experiment. So sieht es die UEFA», sagte Kircher der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Es wird aber schwierig sein, nach dem ersten Spiel schon eine Bewertung abzugeben.» Kai Voß (Großhansdorf) und Robert Kempter (Sauldorf) sind Kirchers normale Assistenten, Markus Schmidt (Stuttgart) und Peter Sippel (München) die Torrichter. Jochen Drees (Münster) fährt als «fünfter Mann» mit. Auf einem Lehrgang der UEFA Ende August in Nyon sind die 48 Schiedsrichter des Pilotprojekts geschult worden. Neben Kircher ist auch Michael Weiner (Giesen) darunter, der am 1. Oktober bei FC Fulham gegen FC Basel zum Einsatz kommt.
Die Torrichter sollen den leitenden Unparteiischen bei strittigen Situationen unterstützen, sie sind per Headset miteinander in Kontakt. «Der Schiedsrichter wird über Vorgänge aller Art informiert, die er ansonsten eventuell nicht gesehen hätte», heißt es in einer Aufgabenbeschreibung der UEFA. Das gilt vor allem für den Strafraum. Die Test-Referees stehen normalerweise hinter der Torlinie, dürfen den 16-Meter-Raum aber auch betreten. «Ich stehe dem offen gegenüber, warum sollte man so etwas nicht probieren», sagte Kircher. DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel favorisiert - im Gegensatz zu UEFA-Präsident Michel Platini, der auch gegen den Videobeweis ist - die Lösung mit dem Chip im Ball: «Auch bei einem Torrichter handelt es sich um einen Menschen, der Fehler machen kann.» Nach dem Abschluss der 144 Gruppenspiele liegt die Entscheidung, ob die Torrichter eingeführt werden, in den Händen des für Regelfragen zuständigen International Football Association Board (IFAB). «Wichtig ist, dass das Spiel trotzdem funktioniert», erklärte Kircher, der sich auf neue Laufwege und die Zusammenarbeit mit zwei weiteren Assistenten erst einmal einstellen muss.
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