Krisen-«Club» von Evertons Youngster erlegt
Nürnberg (dpa) - 09.11.2007, 13:04 Uhr
Nürnbergs Dominik Reinhard ärgert sich über eine vergebene Torchance.
Nach dem sportlichen Offenbarungseid seiner am Ende vorgeführten Profis stand Trainer Hans Meyer die Krise ins Gesicht geschrieben «Ich bin angefressener als nach den Niederlagen zuvor», sagte der Coach des Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg nach der 0:2-Heimpleite im UEFA-Pokal gegen den FC Everton stocksauer. «Die letzten zehn Minuten waren hausgemacht. Das ist für mich unprofessionell, da interessieren mich die 80 Minuten vorher einen Scheißdreck.» Nach dem Fehlstart in die UEFA-Pokal- Gruppenphase stehen die vom Bundesliga-Abstieg bedrohten Franken nun auch auf europäischer Bühne mit dem Rücken zur Wand. Es war wie so oft in den vergangenen Wochen beim in dieser Saison bisher auf der ganzen Linie enttäuschenden «Club»: Lange Zeit spielten die Franken gegen den Favoriten aus England gut mit, hatten gute Gelegenheiten zum Torerfolg - und standen am Ende mit leeren Händen da. «Das ist der rote Faden», beschrieb Manager Martin Bader das Nürnberger Dilemma. «Du betreibst hohen Aufwand, hast am Ende aber nur ein Negativ-Erlebnis.» Die Pleite gegen Everton war bereits die vierte Niederlage in Serie, und Trainer Meyer wirkte bei seinem endgültig verhagelten Dienstjubiläum fast schon ein wenig ratlos. «Das hat nichts mit Klasse zu tun, sondern nur mit Disziplin.»
Ungeachtet aller nationalen Probleme hatten die Franken gegen den neunmaligen englischen Meister mutig aufgespielt, doch am Ende enthüllte ein 19 Jahre alter Youngster die fränkische Misere. Nach seiner späten Einwechslung zwang der mit gebrochener Hand spielende Victor Anichebe «Club»-Abwehrspieler Glauber zu einem Haltegriff, den Strafstoß verwandelte Mikel Arteta (83.) eiskalt. «Das ärgert mich, dass einer der schnellsten Spieler der Insel bei uns gegen einen der langsamsten spielt», haderte Meyer mit seiner unorganisierten Abwehr. Als der Nigerianer (88.) auch noch den tunesischen Nationalspieler Jaouhar Mnari an dessen 31. Geburtstag wie einen Schuljungen stehen ließ und den Endstand erzielte, konnte Evertons Trainer David Moyes sein Glück kaum fassen. «Das ist ein Naturtalent. Er hat wie immer Panik in der gegnerischen Abwehr verursacht.» Frühes Aus im DFB-Pokal, Auftaktpleite in der UEFA-Pokal- Gruppenphase, in der Bundesliga auf einem Abstiegsplatz: Zwei Jahre nach Meyers Amtsantritt verspürt der Pokalsieger den wohl vertrauten rauen Wind des fußballerischen Existenzkampfes. «Ich hoffe, dass wir die Negativ-Erlebnisse nicht nur aus den Beinen, sondern auch aus den Köpfen kriegen», warnte denn auch Manager Bader. «Aber Fatalismus war noch nie ein Ratgeber.»
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