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Villas-Boas: «Mini-Mou» ist in Portugal der Größte

Lissabon (dpa) - 18.05.2011, 14:18 Uhr

André Villas-Boas berietet Porto in Dublin auf das Finale vor.
André Villas-Boas berietet Porto in Dublin auf das Finale vor.

Er stammt aus einer Adelsfamilie, in der über den Fußball schon mal die Nase gerümpft wurde. Vielleicht hat Porto-Trainer André Villas-Boas auch deshalb nie richtig im Verein gekickt.

Dank des runden Leders ist der Trainer des FC Porto aber in seinem Heimatland Portugal innerhalb weniger Monate vom Nobody zum Megastar avanciert. Im für einen Coach zarten Alter von 33 Jahren hat Villas- Boas schon beachtliche Erfolge vorzuweisen. Er führte Porto ohne eine einzige Niederlage zum Liga-Titel, und nach dem Europa-League- Finale steht am Wochenende auch das portugiesische Pokalendspiel an.

Villas-Boas ist allem Anschein nach auf den Spuren eines gewissen José Mourinho. Die Portugiesen feiern ihn schon als «neuen Mourinho» oder als «Mini-Mou». Aber der Coach weist alle Vergleiche mit seinem berühmten Landsmann und langjährigen Ex-Lehrmeister energisch zurück: «Ich bin kein Klon, ich bin ganz anders!», versichert er. Und auch Portos Spielmacher Fernando Belluschi sieht kaum Parallelen: «André ist ein Fan des Offensivfußballs, lässt uns stürmen, der FC Barcelona ist sein Vorbild», so der Argentinier.

Funktionäre europäischer Topclubs geben sich in Porto unterdessen immer häufiger die Klinke in die Hand, um das «Wunderkind» (wie das italienische Sportblatt «Gazzetta dello Sport» schrieb) zu umgarnen. Letzte Woche waren Vertreter von Juventus Turin laut Medien schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen im Norden Portugals. Villas-Boas beteuert derweil, er wolle, vorerst jedenfalls nicht weg: «Ich bin glücklich in Porto, das ist meine Stadt. Es würde mir sehr, sehr schwer fallen, sie zu verlassen.»

Der Himmelsstürmer hat eine Ausstiegsklausel von 15 Millionen Euro, die bei der nächsten Vertragsverlängerung deutlich erhöht werden dürfte. Zu sehr hat er den Portugiesen mit seinem Stil und Sturmdrang imponiert. Die Zeitung «Público» schrieb: «Er hat wie ein Alchimist eine der besten Fußball-Maschinen aller Zeiten geformt». Villas-Boas erklärte vor dem Braga-Spiel sein Erfolgsrezept so: «Nur mit Taktik gewinnt man keine Spiele. Man darf die Profis nicht so sehr einengen. Sonst können sie nicht ihre Fähigkeiten entwickeln.»


Wie Mourinho präsentiert sich auch «Mini-Mou» oft polemisch und irgendwie arrogant. Wie Mourinho hat Villas-Boas nie Profifußball gespielt. Wie Mourinho gibt der zweifache Familienvater kaum etwas von seinem Privatleben preis. Wie Mourinho stellt auch der Porto-Coach seine Schützlinge taktisch nahezu perfekt ein. Und last but not least: Beide wurden wie kaum andere ihrer Zunft gleich zu Beginn ihrer Trainerkarrieren am Douro-Fluss vom Erfolg geküsst.

Der märchenhafte Aufstieg begann, als der 16-jährige André dem Nachbarn Bobby Robson, damals Porto-Coach, einen Brief mit Taktik-Tipps schrieb und frech empfahl, den Stürmer Domingos Paciencia (ja, genau: den Trainer von EL-Finalrivale Braga) doch bitteschön nicht so lange auf der Bank schmoren zu lassen. Der Engländer heuerte den Teenager prompt als Praktikanten an. Dort lernte Villas-Boas auch den damaligen Hilfscoach Mourinho kennen.

Nach vielen Studienjahren in England und einer merkwürdigen Erfahrung als Auswahl-Trainer der britischen Jungferninseln («Ich war damals 21, die dachten, ich sei älter. Nach einem 0:9 gegen Bermudas wurde ich gefeuert») lernte Villas-Boas dann unter «Mou» bei Chelsea und Inter Mailand bis 2009 alle Tricks und Kniffe, bevor er sich im Sommer 2009 selbstständig machte und mit Abstiegskandidat Académica Coimbra 2010 den 11. Platz schaffte. Villas-Boas ist Mourinho dankbar, versichert aber: «Ich bin Robson viel ähnlicher als Mourinho, habe ja englische Vorfahren, eine große Nase und mag Wein». Mit Mourinho spreche er heute «kaum noch».

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