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Van Gaal und Bayern: «Chemie» stimmt

Basel (dpa) - 28.09.2010, 13:39 Uhr

Bayern-Coach Louis van Gaal nimmt Ivica Olic (l) in den Arm.
Bayern-Coach Louis van Gaal nimmt Ivica Olic (l) in den Arm.

Louis van Gaal ist auch in schwierigen Zeiten immer für einen Spaß gut. Nachdem der 59 Jahre alte Holländer seinen neuen Vertrag beim FC Bayern unterschrieben hatte, schüttelte er in Basel auch den aus München mitgereisten Reportern einzeln die Hand.

Und jedes Mal sagte er schmunzelnd: «Ich gratuliere» - und zwar zur weiteren, nicht immer unkomplizierten Zusammenarbeit mit ihm. Die Szene hatte Witz und bewies einmal mehr, dass Louis van Gaal ein ganz spezieller Trainer und Mensch ist. Der Anpassungsprozess an Verein, Mannschaft und Umfeld war wechselseitig «schwierig», wie er selbst sagt. Aber im Herbststurm 2010 soll Einigkeit stark machen.

Der deutsche Fußball-Meister zog die Vertragsverlängerung bewusst in einer «kniffligen Situation» durch, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor dem wichtigen Champions-League-Spiel beim FC Basel betonte; ohne Rücksicht auf den Fehlstart in der Fußball-Bundesliga mit Platz neun und mageren acht Punkten.

Liebe auf den ersten Blick war's nicht, aber inzwischen sind Verein und Fußball-Lehrer «total überzeugt» von ihrer Partnerschaft, wie Rummenigge sagte. Van Gaal hat gerade der Zeitpunkt für das Bekenntnis zu ihm und seiner Arbeit beeindruckt: «Dieser Vorstand zeigt jetzt genauso viel Vertrauen, als wenn wir nach Madrid zum Champions-League-Finale gehen. Das ist eine große Unterstützung.»

Insbesondere die «Chemie» zwischen ihm und den Spielern passe, betonte van Gaal. Das sei «der wichtigste Punkt» für sein Ja-Wort bis zum 30. Juni 2012 gewesen. Und auch die Bosse hätten sich an seine besondere Art gewöhnt: «Meine Zusammenarbeit mit dem Vorstand war am Anfang sehr schwierig - für mich, aber auch für meinen Vorstand, weil sie noch nicht einen Menschen erfahren hatten wie mich.»


Van Gaal tickt anders als jeder Bayern-Trainer vor ihm. Sich auf ihn einzulassen, birgt Chancen und Risiken. Van Gaal hat viel bewegt nach dem Flop mit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Er hat im ersten Bayern-Jahr zwei Titel geholt und fast die Champions League gewonnen. Er hat Talente wie Thomas Müller und Holger Badstuber gefördert und mit seinem Landsmann Arjen Robben einen Transfer-Glücksgriff getan. Er hat Bastian Schweinsteiger ins zentrale Mittelfeld versetzt und einen Spielstil entwickelt, der begeistert - wenn's läuft.

Jetzt, da es nach einer schwierigen Saisonvorbereitung und ohne die verletzten Robben und Ribéry rumpelt und knirscht, wird als erstes van Gaals «Harmonie-Modell» hinterfragt. Auf Spieler-Einkäufe hatte der Trainer verzichtet, obwohl die Vereinsführung unter anderem dazu bereit gewesen war, Millionen für den dann vom VfB Stuttgart zu Real Madrid gewechselten Nationalspieler Sami Khedira auszugeben.

Hat sich van Gaal verzockt? «Ich dachte, dass es ein Vorteil ist, dass ich dieselbe Mannschaft behalten habe. Aber wir haben gesehen, dass das nicht ausreichend war», sagte er nun selbst in Basel. Teure Millionen-Einkäufe des vergangenen Jahres wie Mario Gomez oder Anatoli Timoschtschuk, die nicht seine waren, versauern derweil auf der Bank. «Was macht es aus, dass ein Spieler 35 Millionen kostet», sagte van Gaal zum Problemfall Gomez. Er habe die Wahl zwischen vier Angreifern (Gomez, Klose, Müller, Olic). «Gewollt habe ich zwei.» Aber alle Spieler seien «sehr froh mit mir und sind geblieben».

Tatsächlich begrüßten die Profis die Weiterverpflichtung ihres Chefs. «Wir freuen uns natürlich», erklärte Vize-Kapitän Philipp Lahm: «Wir haben gesehen, wie akribisch der Trainer arbeitet und welche Fortschritte wir gemacht haben.» Die sollen sich, ehe van Gaal 2012 eine Nationalmannschaft übernehmen und zur WM 2014 in Brasilien führen möchte, in weiteren Titeln niederschlagen. «Ich habe noch immer meine Ambitionen», sagte van Gaal trotz des Fehlstarts in sein zweites Münchner Jahr: «Es ist immer wichtig, etwas zu gewinnen. Und bei einer Spitzenmannschaft wie Bayern München kann man das.»

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