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Werder wieder wunderbar: Langweilig geht es nicht

Genua (dpa) - 25.08.2010, 11:57 Uhr

Bremens Trainer Thomas Schaaf (l) umarmt Torschütze Claudio Pizarro.
Bremens Trainer Thomas Schaaf (l) umarmt Torschütze Claudio Pizarro.

Das Wunder von Genua hatte die Werder-Helden geschafft. Ausgelaugt von einem emotionalen Europapokal-Fight lagen Tim Wiese, Per Mertesacker & Co. nach dem 2:3 bei Sampdoria Genua auf dem Rasen des Stadios Comunale Luigi Ferraris.

Einen derartigen Abend hatten selbst die für ihre Fußball-Dramen berühmten Bremer bisher selten erlebt. «Es geht scheinbar nur spektakulär», sagte Thomas Schaaf, der in seinen mehr als zehn Trainer-Jahren an der Weser schon so manches nervenaufreibende Spiel seiner Mannschaft erlebt hat. «Wir müssen es offenbar immer spannend machen und immer viele Nerven lassen.»

Es dauerte einige Momente, bis sich bei den Verantwortlichen und den Spielern des Fußball-Bundesligisten die Freude über den späten Einzug in die Champions League Bahn brach. Erschöpft nahmen sie sich nach dem aufregenden 2:3 in die Arme, ehe sie trotz der Niederlage in der Fankurve den Gesamt-Sieg im 15-Millionen-Euro-Playoff feiern.

Zum sechsten Mal in sieben Jahren steht Werder im wichtigsten und finanziell lukrativsten Europacup-Wettbewerb. Und zum dritten Mal schafften sie über die Qualifikation den Sprung auf die große Fußball-Bühne. «War das wirklich eine Niederlage?», fragte Clubchef Klaus Allofs grinsend. Und antwortete sich selbst: «Dann war es die denkbar schönste Niederlage, die man sich vorstellen kann.»

Es passt zu Werders Wundergeschichten im Europapokal, dass in Markus Rosenberg ein Aussortierter den rettenden Treffer in der Nachspielzeit schoss. Ein nicht mehr gewünschter Spieler, der verkauft werden soll und nur wegen eines Kuriosums in der 72. Minute eingewechselt worden war: Sandro Wagners Trikot war nach einer Verletzung blutverschmiert, und es war kein Ersatzhemd zur Hand.


Nach den Treffern von Giampaolo Pazzini (8./13.) sowie Antonio Cassano (85.) war Bremen praktisch ausgeschieden, ehe Rosenberg in der dritten Minute der Nachspielzeit traf und Claudio Pizzaro (100.) in der Verlängerung alles klar machte. «Manchmal hätten wie gerne auch ein langweiliges Spiel, in dem es ein sicheres Ergebnis gibt», sagte Schaaf, der abgekämpft und angespannt aussah. Werder bot mal wieder eine Zitterpartie. «Die Mannschaft kommt aber immer wieder», lobte der Coach. «Das ist eine große Qualität. Sie hatte schon alles aus den Händen gegeben und ist dann wieder zurückgekommen.»

Für die Zuschauer haben Werder-Spiele ihren eigenen Reiz. Langweilig sind sie selten, für die Verantwortlichen können sie hingegen zur Qual werden. «Die Dramaturgie war wunderschön, aber auch sehr nervenaufreibend», gestand Allofs. «Es ging ja auch um einiges. Zehn Millionen Euro Unterschied sind das im Vergleich zur Europa League. Das Fehlen dieser Einnahme hätte uns in unserer Entwicklung zurückgeworfen.»

Das Geld soll investiert werden. Trainer und Clubchef wissen, dass ihre Mannschaft solche Kraftakte wie in Genua nicht in jedem der nun folgenden sechs Gruppenspiele abliefern kann, dass der Kader für die Königsklasse nicht stark genug ist.

«Da wird noch was passieren», kündigte Allofs an. In der Abwehr ist der Bedarf am größten, vor allem auf den Außenpositionen. Nach Informationen von «Kicker.de» stehen die Bremer vor der Verpflichtung des französischen Nationalspielers Mikael Silvestre, der ablösefrei vom FC Arsenal kommen würde. Geld ist vorhanden: Durch den Transfer von Mesut Özil hat sich Werder innerhalb einer Woche rund 30 Millionen Euro gesichert.

Und wie geht es sonst mit der Wundertüte Werder weiter? «Es ist unmöglich, unseren endgültigen Leistungsstand richtig einzuschätzen», sagte Mertesacker. Der Nationalspieler wies noch einmal auf die schwierigen Bedingungen hin, unter denen die Bremer weitergekommen sind: «Wir haben einen sehr wichtigen Spieler abgegeben, hatten einige Verletzte und haben neue Spieler, die ihren Platz finden müssen.»

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