So schön ein Trostpreis à la «Königsklassensieger der Herzen» auch sein mag: Noch schöner sind natürlich Titel, was Inter beim ersten Landesmeister-Triumph seit 45 Jahren mit überschwänglicher Freude demonstrierte. Während Kapitän Javier Zanetti nach seinem 700. Spiel für die «Nerazzurri» verdient den Pokal in die Höhe stemmte, lagen und standen die Bayern-Profis geschlagen im Konfettiregen herum und schauten dem Sieges-Feuerwerk des Gegners zu. Für dessen Trainer José Mourinho dürfte das schon eine Abschiedsparty gewesen sein. Der Portugiese deutete stärker denn je einen Wechsel zu Real Madrid an, Während Mourinho seine nächste große Station ansteuert, bleibt der ebenfalls von den «Königlichen» umgarnte Ribéry langfristig bei den Bayern. Bis 2015 hat sich der Dribbelkünstler an den Rekordmeister gebunden. «Mit Ribéry hätten wir nie verloren. Er hat an allen Ecken und Enden gefehlt», meinte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Die Kreativität des Mittelfeld-Mannes hätte den Münchnern gut zu Gesicht gestanden, denn so war das Spiel fast nur auf Arjen Robben zugeschnitten. Der Niederländer sah sich meist zwei bis drei Gegenspielern gegenüber. Ein Ribéry auf der anderen Seite hätte Robben deutlich mehr entlasten können. Umso schöner für die Münchner, dass Ribéry verlängert hat. Wie der Großteil der Münchner Mannschaft hat auch er den Zenit seiner Karriere noch nicht erreicht. «Wir werden mit dieser Truppe weitermachen, deswegen glaube ich auch, dass wir in der nächsten Saison den nächsten Schritt machen können. Wir sind mit van Gaal auf einem guten Weg», betonte Sportdirektor Christian Nerlinger. Doch bei allem Lob und aller Perspektive - die beste Abwehr der Bundesliga sah bei den beiden Gegentoren durch Inters Argentinier Diego Milito (35./70.) nicht gut aus. Beim 0:1 verlor Martin Demichelis gleich zwei Duelle, beim 0:2 ließ sich Daniel van Buyten hüftsteif ausspielen. «In solchen Spitzenspielen werden kleine Fehler bestraft - und die wurden heute eiskalt bestraft», sagte Philipp Lahm. Ein Mann wie Milito lässt sich solche Chancen nicht nehmen. Anders als der erst 20-jährige Thomas Müller, der sich über seine vergebene Ausgleichs-Chance kurz nach der Pause am meisten ärgerte. «Wir haben als Mannschaft verloren. Aber ich muss das Tor machen. Das war für mich ein bitterer Moment», sagte er. Mit sechs weiteren Kollegen wird der Nationalspieler nun zum WM-Kader nachreisen. Nach der WM heißt es dann bei den Bayern: «Auf ein Neues». Viel brauchen und werden die Münchner nicht verändern. Durch die über 60 Millionen Euro Einnahmen aus dieser Champions-League-Saison können sie aber jederzeit handeln. «Nächste Saison werden wir besser starten. Wir wissen jetzt, wie der Trainer denkt. Und wir haben einen sehr schlauen Vorstand. Die wissen genau, was wir noch brauchen und was nicht», sagte Mark van Bommel.
 |