Bayern gegen Inter: Das Finale der Gegensätze
Madrid (dpa) - 21.05.2010, 10:18 Uhr
Bastian Schweinsteiger bei der Ankunft in Madrd.
Bayerns Tempofußball gegen Inters Zerstörungskraft, eigene Talente gegen teure Altstars und vor allem solides Wirtschaften gegen Morattis Millionen: Das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Inter Mailand ist auch ein Duell der Gegensätze. Zwar haben beide in dieser Saison schon das nationale Double gewonnen oder auf dem Weg nach Madrid deutlich stärker eingeschätzte Teams wie Manchester United (Bayern), Titelverteidiger FC Barcelona oder den FC Chelsea (beide Inter) besiegt. Aber in der Struktur oder Philosophie beider Vereine gibt es gravierende Unterschiede. EIGENER NACHWUCHS V TEURE ALTSTARS: Der FC Bayern verfolgt mit Stolz seine neue «Zwei-Säulen-Strategie»: Neben Stars wie Arjen Robben und Franck Ribéry prägen auch Talente aus der eigenen Jugendabteilung das Gesicht des Teams. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger sind seit Jahren feste Größen, in dieser Saison sind Thomas Müller, Holger Badstuber oder Diego Contento nachgerückt.
Die meisten Inter-Spieler dagegen sind: teuer, erfahren und aus Südamerika. Allein die brasilianisch-argentinische Abwehrkette mit Maicon, Lucio, Samuel und Zanetti hat ein Durchschnittsalter von 32 Jahren, der Club macht seinem Namen «FC Internazionale» alle Ehre. Die vier einzigen Italiener (Balotelli, Santon, Materazzi, Toldo) sitzen meist nur auf der Bank - und so gehören gleich sieben Bayern- Stars zum deutschen WM-Kader aber kein «Interisti» zum italienischen. OFFENSIVGEIST V ABWEHRBETON: Louis van Gaal sagt in der ihm eigenen selbstbewussten Art: «Ich denke: Ganz Europa hält für Bayern am Samstag.» Er hat seiner Mannschaft einen nicht nur erfolgreichen sondern auch hübsch anzuschauenden Fußball vermittelt. Der FC Bayern will zu jeder Zeit dominieren, attackieren und aufs Tempo drücken. Inter wirkt wie ein Gegenentwurf dazu. Trainer José Mourinho passt seine Taktik schon mal dem Gegner an, denn Gewinnen geht ihm über alles. Der italienische Meister kann sich am eigenen Strafraum verbarrikadieren wie beim 0:1 in Barcelona oder mutig dagegenhalten wie beim lehrbuchreifen 1:0 in Chelsea. In jedem Fall ist Inter eine perfekt organisierte Kampfmaschine, die das Spiel des Gegners vermutlich besser zerstören kann als jedes andere Team der Welt. |