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Auf zum Titel-Dreier: «Wir haben einen Traum»

20.05.2010, 14:22 Uhr

Mit diesem
Mit diesem "offenen Brief" wenden sich die Spieler des FC Bayern München an die Fußballfans.

Madrid (dpa) - Auf zum Kampf ums historische Triple! Mit zwei Titeln in der Tasche, einer bis in die Haarspitzen motivierten Mannschaft und der Hoffnung auf Daumendrücker in ganz Deutschland blickt Rekordmeister Bayern München dem großen Finale in der Champions League voller Vorfreude entgegen.

Das Team um Madrid-Rückkehrer Arjen Robben will im Bernabéu-Stadion nicht nur in die Fußstapfen der großen Bayern-Sieger wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg treten, sondern kann beim Endspiel gegen Inter Mailand sogar Einmaliges erreichen. «Das Triple gab es auch bei Bayern München noch nicht und der Verein ist doch sehr erfolgreich gewesen in den letzten Jahrzehnten», sagte Karl-Heinz Rummenigge beim Abflug der Reise- Delegation des FC Bayern in der ersten von insgesamt neun gecharterten Maschinen des Clubs.

Neun Jahre nach dem Triumph von Mailand soll die begehrteste Club- Trophäe der Welt wieder nach München zurück. Und nach Siegen in Meisterschaft und DFB-Pokal wären die Münchner erst der fünfte Verein, der den Titel-Dreier mit einem Erfolg im Landesmeister-Cup krönt. «Selbst die große Mannschaft in den 1970er Jahren hat es trotz drei Siegen im Europapokal nie geschafft, dieses Triple zu gewinnen», erinnerte Rummenigge, dessen Club in diesem Jahr mehr als 60 Millionen Euro verdient hat. Und dabei Sympathien gewonnen wie vielleicht noch nie. Auch dank Trainer Louis van Gaal, der in der spanischen Hauptstadt auf seinen einstigen Lehrling José Mourinho als Inter-Coach trifft.

Als die Bayern-Mannschaft gerade den Flieger mit der Nummer LH 5018 in die Sonne bestieg, veröffentlichte der Club einen offenen Brief des Teams um Mark van Bommel. Unterschrieben von der gesamten Mannschaft appellierten die Bayern-Profis an «Fußball-Fans in ganz Deutschland»: «Wir haben einen Traum, träumt ihn mit uns!» Rummenigge ist «überzeugt, dass die ganze Republik Bayern München am Samstag die Daumen drückt». Wohl auch deshalb, damit Deutschland dank der Bayern - wenn diese mindestens das Elfmeterschießen erreichen - in der UEFA-Fünfjahreswertung auf Rang drei abschließt. Das würde von der Saison 2011/12 an vier Champions-League-Starter bedeuten.

Der Beliebtheitsgrad des polarisierenden Clubs ist in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Die Mannschaft spielt unter Erfolgstrainer Louis van Gaal nicht nur erfolgreich, sondern zum Teil auch überaus schön. «Überall bekommt man Glückwünsche auf dem Weg», berichtete Nationaltorwart Jörg Butt auf dem Weg zum erhofften bayerischen Pfingstmärchen.


Selbst DFB-Boss Theo Zwanziger erfreut sich am Durchmarsch der Bayern ins Finale. «Ich bin stolz auf die Bayern. Besonders auch auf den Trainer. Louis van Gaal hat sich nicht nur an großen Namen und den Transfersummen orientiert, sondern hat auch den Mut gehabt, jungen Spielern - auch deutschen - eine Chance zu geben», betonte der Präsident.

Nur noch einen Schritt müssen die Münchner bis zum Eintrag in den Fußball-Geschichtsbücher gehen. Aber auch Inter Mailand kann als Double-Gewinner in Italien mit dem Ex-Münchner Lucio in der Verteidigung den historischen Erfolg landen. «Wir sind bereit und hochmotiviert für ein großartiges Finale», kündigte Inter-Kapitän Javier Zanetti in Madrid an. Ausgerechnet der «Inter-Opa» (Bild) soll die Kreise von Turbo-Mann Robben einengen. Im Halbfinale stoppte das Inter-Bollwerk keinen Geringeren als den Weltbesten Lionel Messi.

Feiern wollen die Bayern so oder so mit ihren Fans - am Sonntag nach der Rückkehr auf dem Marienplatz. Und selbst eine Niederlage, «würde aber auch überhaupt nichts von dieser Saison wegnehmen. Was wir erreicht haben an Freude, Leidenschaft und Spaß bei den Zuschauern, aber auch bei den Umsätzen im Fanartikelbereich, neuen Sponsoren und neuen Rekordumsätzen, ist unfassbar», betonte Präsident Uli Hoeneß, der das Team zuletzt zeitweise «über den Platz schweben» sah. Und auch Amtsvorgänger Franz Beckenbauer sieht beste Chancen, «denn die Bayern sind sagenhaft gut drauf».

Nicht nur die Vereine wollen Geschichte schreiben, auch die Coaches können in die Riege der ganz Großen aufsteigen. Als dritter Trainer nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld könnten van Gaal oder Mourinho den «Pott» mit zwei verschiedenen Clubs gewinnen. Als 14. Spieler würde Kapitän Mark van Bommel dieses Kunststück glücken.

Und Ivica Olic braucht nur noch ein Treffer, um als erster Profi aus Deutschland seit dem früheren Bremer Wynton Rufer 1994 wieder die Torjägerkrone zu holen. Noch führt hier Messi (FC Barcelona) mit acht Treffern. «Wenn ich gut und konzentriert spiele, kann ich vielleicht ein Tor machen», sagte der Kroate, «aber wichtiger ist, dass wir gewinnen.»

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