Trotz Unruhe: Inter sehnt sich nach dem Cup
19.05.2010, 16:52 Uhr
Inter Mailands Präsident Massimo Moratti (r) will den Champions-League-Titel.
Mailand (dpa) - Für seinen großen Traum von der Champions League hat Inter Mailands Präsident Massimo Moratti schon immer viel hingenommen: in früheren Jahren einen Krach mit seiner Mutter oder in dieser Woche vor dem Finale gegen Bayern München eine chaotische Vorbereitung. «Wenn einer von euch Inter kauft, wird er enterbt», sagte Emilia Moratti einmal zu ihren Söhnen, da schon ihr Mann Angelo viel Zeit und Geld in den italienischen Nobelclub investiert hatte. Massimo aber ignorierte diese Drohung, er steckte in 15 Jahren rund 850 Millionen Euro in seinen Verein, um endlich das zu schaffen, was Inter zuletzt 1965 unter seinem Vater gelang: der Gewinn der begehrtesten Trophäe des europäischen Clubfußballs. So nah wie in diesem Jahr waren der 65 Jahre alte Öl-Tycoon und sein Club ihrem Ziel noch nie. Nach den bestenfalls als Trostpreis angesehenen UEFA-Cup-Siegen von 1991, 1994 und 1998 stehen die Mailänder in Madrid endlich wieder im Endspiel der «Königsklasse». Die Sehnsucht nach diesem Triumph ist so groß, dass Moratti selbst die Turbulenzen dieser Tage klaglos in Kauf nimmt.
Erst störten die Spekulationen über einen Wechsel ihres Trainers José Mourinho zu Real Madrid die Konzentration der Mannschaft, dann die vorzeitige Abreise nach Spanien. Aus Angst vor einer neuen Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull wollte Inter bereits an diesem Mittwochabend statt wie geplant zwei Tage später nach Madrid fliegen. «Ich wäre lieber am Freitag geflogen, weil ich die Mannschaft am liebsten zu Hause vorbereite», sagte Mourinho. Am Finalort kann er zudem erst einmal nachlesen, was er der spanischen Sportzeitung «Marca» gesagt haben soll. «Ich möchte Real Madrid auf jeden Fall trainieren, hundertprozentig», zitierte ihn das Blatt. Das Kommen und Gehen bei Inter ist Präsident Moratti allerdings gewohnt. Auf der Jagd nach dem Champions-League-Pokal hat er es beinahe mit jedem Trainertyp versucht, den der Markt hergibt: Vaterfiguren wie Luigi Simoni, «Feldwebel» wie Hector Cuper, Lokalgrößen wie Roberto Mancini oder eben einen Exzentriker und Strategen wie Mourinho. |