Aufatmen bei Olympique Lyon: Der angeschlagene Abwehrchef Cris hat sich nach eigenen Angaben gut erholt und wird beim Halbfinal-Rückspiel der Fußball-Champions-League gegen Bayern München im Stade Gerland aller Voraussicht nach mit von der Partie sein.
«Wir werden unser Maximum geben», sagte der Kapitän auf einer Pressekonferenz in Lyon. Der Ex-Leverkusener meinte, er sei «sehr zuversichtlich». Lyon dürfe allerdings die Fehler, die bei der 0:1-Niederlage in München gemacht worden seien, nicht wiederholen.
«Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass wir im Hinspiel nicht so aufgetreten sind, wie es nötig gewesen wäre. Wir haben nicht unser Spiel gespielt», sagte der 32 Jahre alte Brasilianer, der von Fans und Medien in Lyon «der Polizist» genannt wird. Man müsse vor allem mental gut vorbereitet auf das Feld gehen. Man habe 90 Minuten Zeit, Tore zu schießen. Die Bayern seien aber ein «großartiges Team, das haben sie gegen Manchester United und gegen Florenz gezeigt».
Aggressiv und ausgeruht will Olympique Lyon den FC Bayern in die Knie zwingen. «Da gibt es nicht viel zu überlegen. Wir müssen gewinnen, Feuer entfachen, die Fans dazu bringen, dass sie uns von der ersten bis zur letzten Sekunde unterstützen, wir müssen die Bayern erschüttern und Zweikämpfe gewinnen», sagte Torwart Hugo Lloris in der Sportzeitung «L'Équipe». «Wir müssen die Bayern überfallen», forderte der Brasilianer Ederson am Tag vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den deutschen Fußball- Rekordmeister.
Nicht nur Lloris kritisierte die apathische Einstellung der Lyonnaisen bei der 0:1-Hinspielniederlage in der Allianz Arena. «Wir müssen eine ganz andere Einstellung und eine andere Mentalität an den Tag legen. Wir waren zu defensiv. Wir müssen etwas mehr Mut und einen positiven Geist haben, um das Blatt zu wenden», sagte der argentinische Stürmer Lisandro López. Laut Medien soll neben López auch der in die «Rotlicht-Affäre» um französische Nationalspieler verwickelte Sidney Govou von Anfang an stürmen.
Im Gegensatz zum Hinspiel, als er wegen des von der Vulkanasche lahmgelegten Flugverkehrs mit Minivans nach München fahren mussten, wird der französische Serienmeister der Jahre 2002 bis 2008 diesmal völlig ausgeruht aufs Feld gehen. Seit dem 23. April dürfen sich die Profis bei einem Trainingslager etwa 40 Kilometer von Lyon entfernt in aller Ruhe auf das Duell vorbereiten. Das Punktspiel gegen AS Monaco war auf den 12. Mai verlegt worden. Am Sonntag standen neben einer leichten Trainingseinheit eine lockere Fahrradtour im Grünen sowie eine Filmkomödie auf dem Programm.
Trainer Claude Puel reibt sich erfreut die Hände. «Meine Spieler sind alle körperlich viel besser drauf. Das ist natürlich ein Plus. Aber ich mache mir keine Illusionen, was die Frische der Bayern angeht. Das ist ein sehr leistungsstarkes Team. Diesmal werden wir aber gegenhalten», sagte der Coach. Puel ruft die Lyon-Fans dazu auf, es den Anhängern der Bayern gleichzutun, die beim Hinspiel ihr Team bedingungslos unterstützt hätten. «Zusammen mit unserem Publikum werden wir um den Finaleinzug kämpfen», kündigte Puel an.
Puel atmet auch auf, weil sich das Lyon-Krankenlager langsam lichtet. Der brasilianische Abwehrchef Cris werde gegen Bayern «höchstwahrscheinlich» dabei sein, berichteten Medien unter Berufung auf Clubkreise. Zu seiner Verletzung sagte Cris, er fühle sich gut und spüre keine Schmerzen mehr. Er sollte aber noch einmal vor dem Spiel getestet werden. Der brasilianische Nationalspieler hatte sich im Hinspiel in München eine Hüftprellung zugezogen und beim Training zudem einen Schlag aufs Knie erhalten.
Auch der zweite etatmäßige Innenverteidiger Jean-Alain Boumsong ist wieder fit. Der 30-Jährige war bei der ersten Partie in München wegen einer Wadenzerrung ausgefallen. Der 1,90 Meter große Profi, wegen seiner kräftigen Statur «der Bär» genannt, will ungeachtet seiner Erfahrung das Spiel gegen die Bayern mit der Begeisterung eines Anfängers angehen. «Wir alle müssen mit jener Freude und Leidenschaft zu Werke gehen, mit denen wir als Kinder auf der Straße gespielt haben», sagte der in Kamerun geborene Franzose im Interview der Lyoner Regionalzeitung «Le Progrès».