Auch das noch: Erst sorgte die Verquickung von Franck Ribéry in die Rotlicht-Affäre um Frankreichs Equipe Tricolore für Wirbel, dann sah ausgerechnet der Bayern-Star «Rot» im Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon.
Nach 37 Spielminuten griff der italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti nach einem unglücklichen Tritt von Ribéry an den Knöchel von Olympique-Stürmer Lisandro Lopez in die Brusttasche und zog zum Entsetzen der 66 000 Zuschauer in der Münchner Arena statt der erwarteten Gelben, die Rote Karte. Platzverweis - ein Drama für Ribéry, für den die Champions-League-Saison damit beendet sein dürfte.
Bis zum Platzverweis hatte der 27-Jährige scheinbar unbelastet vom tagelangen öffentlichen Wirbel um die französische Fußball-Sexaffäre aufgespielt. Ribéry machte Druck über die linke Seite, hatte Pech mit einem Flachschuss. Er dribbelte und rackerte, wirkte extrem motiviert gegen seine Landsleute - bis zum heftigen Kontakt mit Lisandro Lopez. Entsetzt blickte er auf Rosetti, als ihm Rot vor Augen wurden und trottete mit hängendem Kopf vom Rasen. «Das war deutlich zu hart», urteilte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger im TV-Sender «Sky» zur Pause.
Es bleibt dabei: Ob auf oder neben dem Platz - Ribéry hält den FC Bayern wie kein anderer Münchner Star-Kicker in Atem. An den unendlichen Vertragspoker, das Verletzungspech in der WM-Saison und die Launen des Spaß-Fußballers hatten sich die Verantwortlichen und Fans des Rekordmeisters längst gewöhnt. Die delikate Rotlicht-Affäre platzte jedoch zur Unzeit in die strahlende Welt der Triple-Jäger - so wie der allerdings überzogene Platzverweis.
Die Verantwortlichen waren überzeugt gewesen, dass der Rummel in den Medien das Seelenleben von Ribéry nicht belasten würde. «Wenn Franck den Ball sieht, wenn der im Stadion ist, dann kennt der nur noch eines - den Ball», hatte Franz Beckenbauer geglaubt. Auch Daniel van Buyten, der engste Vertraute Ribérys im Bayern-Team, versicherte, dass kein Grund zur Sorge um das sportliche Leistungsvermögen seines Kompagnons bestünde: «Franck ist topmotiviert, das Ende der Saison sehr gut zu machen. Er will Erfolg mit Bayern», sagte der Belgier.
Für Erfolg und beste Fußball-Unterhaltung ist der Mittelfeldstar seit knapp drei Jahren in München einer der Garanten. Die 25 Millionen Euro, die der deutsche Rekordmeister 2007 an Olympique Marseille überwies, waren bestens angelegt, der Marktwert von Ribéry hat sich mindestens verdoppelt, die Show auf dem Rasen stimmt meist. Neben Arjen Robben ist Ribéry nach wie vor der Liebling der Massen; wenn der wieselflinke Dribbler auf dem Flügel den Turbo zündet und mit dem Ball am Fuß losstürmt, wird es laut in der Arena. So auch am Mittwochabend; nach der Roten Karte entlud sich die Fans nicht an Ribéry, sondern mit Pfiffen gegen den Schiedsrichter.
Heftig spekuliert wird über mögliche Auswirkungen der «Equipe- Tricolore-Affäre» auf den Transferpoker um Ribéry. Real Madrids Präsident Florentino Perez soll menschliche Schwächen nicht dulden, heißt es aus Spanien. Und in München fragt man sich weiter: Bleibt Ribéry, geht er im Sommer, oder verlängert er gar vorzeitig? Fast täglich werden neue Trends verkündet und Geheimtreffen vermeldet, wird über mögliche neue Arbeitgeber und Millionen-Ablösesummen spekuliert. Nichts ist gewiss - mit der Ausnahme, dass der Vertrag von Ribéry in München noch bis zum 30. Juni 2011 läuft.
«Franck beschäftigt sich momentan nur mit den Spielen», sagte sein Intimus van Buyten. Rein sportlich war es bislang nicht das Jahr des Franck Ribéry, die Rote Karte bedeutet den Tiefpunkt ausgerechnet an der Pforte zum Finale am 22. Mai in Madrid. Als Höhepunkt auf der internationalen Weltbühne bleibt ihm noch die WM in Südafrika. Keine Frage: Franck Ribéry wird den FC Bayern und seine Fans weiter in Atem halten.