Nach dem Außenseiter-Coup gegen Manchester United befinden sich die Bayern urplötzlich in der Rolle des «leichten Favoriten», wie Bundestrainer Joachim Löw meinte. «Wir haben wichtige Wochen vor uns», betonte Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge. Das historische Triple winkt, was sich nach dem schwierigen Beginn unter van Gaal kaum einer ausgemalt hätte. «Es hat ja vor der Saison gar keiner für möglich gehalten, dass Bayern München überhaupt das Finale erreichen kann», so Rummenigge. Jetzt ist das Traumziel Madrid (22. Mai) nah. Während Lyon über die beschwerliche Anreise in Minibussen wegen der Vulkanaschewolke aus Island stöhnte, beklagten die Münchner hausgemachte Probleme. Wegen eines privaten Trauerfalls reiste van Gaal kurzfristig nach Holland und fehlte beim letzten Training. Per sms übermittelte Jonker seinem Chef, «dass wir gut trainiert haben». Zum unpassendsten Zeitpunkt traf den Rekordmeister zudem die Verwicklung von Filou Ribéry in den Sexskandal um die französische Nationalelf. «Kein Thema» sei die Rotlicht-Affäre intern, hieß es beim Rekordmeister, trotzdem wurde Ribéry ein Auftritt vor der Weltpresse sicherheitshalber erspart. Noch mehr Ablenkung vom großen Ziel Finale wollte man sich nicht leisten - auch Ribéry soll sich nur auf das Spiel fokussieren. Franz Beckenbauer erwartet keine negativen Auswirkungen: «Franck ist ein Spieler, wenn der den Ball sieht, wenn der im Stadion ist, dann kennt der nur noch eines - den Ball», meinte der Ehrenpräsident. Van Gaal hätschelte seinen Star, der zuletzt im Rummel um Super-Robben unterzugehen schien, sogar mit Worten. «Er steigert sich jedes Spiel und ist immer entscheidend. Für den Gegner ist es das große Problem, dass wir nicht nur Robben haben, sondern auch Ribéry.» Welcher der beiden Topstars am Ende gefeiert und umjubelt wird, ist dem Trainer egal: «Heute heißt es Halleluja Robben - morgen kann es Halleluja Ribéry sein.» Van Gaal macht sich andere Sorgen. Danijel Pranjic soll im Mittelfeld «den Verlust» des gesperrten Kapitäns Mark van Bommel so gut wie möglich ausgleichen. In der Abwehr ersetzt Diego Contento den ebenfalls gelb-gesperrten Holger Badstuber. «Wir müssen Vertrauen in diese Spieler haben», erklärte van Gaal. Die Offensiv-Power soll die Trumpfkarte gegen Lyon sein, das in der Abwehr vor dem großartigen Torhüter Hugo Lloris die Ausfälle von Jean-Alain Boumsong und Mathieu Bodmer verkraften muss. «Lyon ist eine sehr gut organisierte Mannschaft, aggressiv, physisch stark und gut im Konter», würdigte van Gaal den Gegner. Hauptsache gewinnen, lautet Rummenigges Hinspiel-Marschroute: «Mit unserem Offensivgeist können wir auch auswärts das eine oder andere Tor erzielen.» Die voraussichtlichen Aufstellungen: FC Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Contento - Ribéry, Schweinsteiger, Pranjic, Robben - Müller - Olic Olympique Lyon: Lloris - Reveillere, Cris, Toulalan, Cissokho - Källström, Gonalons - Bastos, Pjanic, Delgado - Lopez Schiedsrichter: Rosetti (Italien)
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