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Schweinsteiger weiter gereift - «Mann geworden»

München (dpa) - 30.03.2010, 12:44 Uhr

Bastian Schweinsteiger kämpft auf seiner neuen Position gegen Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic (r).
Bastian Schweinsteiger kämpft auf seiner neuen Position gegen Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic (r).

Beim Fußball-Leckerbissen muss der gelb-gesperrte Bastian Schweinsteiger mit einer gehörigen Portion Wehmut die ungeliebte Zuschauerrolle einnehmen. «Es gibt nichts Schöneres als in der Champions League zu spielen gegen Manchester United vor eigenem Publikum», sagte der 25-Jährige.

In dieser Saison - und in neuer Rolle - ist der Mittelfeldstratege vielleicht wichtiger für den FC Bayern als jemals zuvor. Für Trainer Louis van Gaal ist der dritte Kapitän ein «Führungsspieler», und Präsident Uli Hoeneß lobte den Vollblutkicker unlängst über die Maßen. «Er spielt eine Super-Saison. Der heißt für mich nicht mehr Schweini, der heißt Bastian. Er ist ein Mann geworden», sagte Hoeneß.

«Schweini», das war neben «Poldi» einmal beim Sommermärchen 2006. «Die Zeit ist vorbei. Jeder Mensch entwickelt sich weiter und so ist es auch bei mir der Fall», sagte Schweinsteiger, der schon länger am anderen Image arbeitete. Die jüngsten Hoeneß'schen Worte erfreuten das Bayern-Eigengewächs daher besonders. «Lieber höre ich den ganzen Nachnamen als die Abkürzung», sagte der dienstälteste Bayern-Profi im «Bayerischen Fernsehen».

Alle reden von Robben und Ribéry, dabei ist auch die Rolle des Eigengewächses unter van Gaal enorm wichtig. Denn seit dem «Wunder von Turin», dem 4:1 bei Juventus Anfang Dezember, wirkt Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld Seite an Seite von Kapitän Mark van Bommel - und die Bayern fanden Schwung. «Bastian ist ein Top-Spieler in Deutschland. Er kann es und zeigt es jetzt», lobte der Niederländer den bis 2012 unter Vertrag stehenden Nebenmann.

Schweinsteiger rennt und grätscht, als Techniker wurde er eh schon immer gerühmt. «In dieser Saison hat er den großen Sprung geschafft von einem flippigen jungen Mann, der keine Orientierung hatte im Leben, zu einem sehr verantwortungsbewussten Spieler, der strategisch bei uns arbeitet, der körperlich defensiv sehr stark arbeitet», sagte Hoeneß. Mehrfach war Hoeneß in der Vergangenheit aber auch erzieherisch tätig gewesen. «Ich habe ihm oft in den Hintern getreten, aber er hat immer gut reagiert. Er hat nie gesagt, ach dieser Idiot. Er hat immer gesagt, ich weiß, dass Uli Hoeneß das ehrlich mit mir meint.»


Die Worte vom Mitläufer oder ewigem Talent machten zeitweise schon die Runde, aber wer als im Nationalteam gesetzter Profi schon 73 Länderspiele (19 Tore) auf dem Buckel hat, der muss schon besondere Qualitäten haben. Und die will Schweinsteiger künftig auch im zentralen, defensiven Mittelfeld als Nebenmann von Chef Michael Ballack bei der DFB-Auswahl einbringen. «Schweinsteiger und Ballack können schon zusammen spielen», sagte Joachim Löw nach dem Auftritt gegen Argentinien (0:1).

Dem Bundestrainer dürfte der Positionswechsel des bislang meist auf dem Flügel gebrachten Schweinsteiger gelegen kommen. Denn nach den Verletzungen des Stuttgarters Sami Khedira und des Leverkuseners Simon Rolfes ist angesichts des Formtiefs von Thomas Hitzlsperger (Lazio Rom) die Auswahl für die Zentrale nicht sonderlich groß.

In Südafrika gelte es erst einmal die Vorrunden-Gruppe zu überstehen, meinte Schweinsteiger und hofft bei der WM «im Fernsehen wieder die Fans in Deutschland auf den Straßen feiern zu sehen». Und dann, darauf müsste sich der Profi wohl doch gefasst machen, werden sie vermutlich trotzdem wieder häufiger «Schweini» rufen.

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