Nebenrolle statt Hauptdarsteller: Für Mittelfeld-Star Alexander Hleb hat sich die Heimkehr zum VfB Stuttgart bislang nicht bezahlt gemacht. Die Millionen teure Leihgabe des FC Barcelona steht beim Fußball-Bundesligisten nicht, wie allgemein erwartet, als Regisseur im Rampenlicht.
Der Weißrusse führt eher ein Schattendasein und sieht sich - allerdings nicht wegen seiner Position auf der linken Außenbahn - von Trainer Christian Gross eher an den Rand gedrängt und etwas links liegen gelassen. «Er wechselt mich immer aus und ich weiß nicht warum», klagte der ebenso sensible wie stolze Hleb. «Ich muss das akzeptieren, aber ich bin enttäuscht.»
Hlebs Einsatzbilanz unter Gross ist rekordverdächtig. Seit seiner Amtsübernahme Anfang Dezember hat der Schweizer den Ballkünstler in allen neun Spielen ausgewechselt. Zwischen 55 und maximal 74 Minuten durfte der 28-Jährige mitmischen, dann musste er einem Mannschaftskollegen weichen. Die «Süddeutsche Zeitung» spottete schon vom «Stundenfußballer». Hleb selbst ist der Spaß längst vergangen. «Ich möchte endlich einmal durchspielen», forderte der sonst so schelmische Spielmacher in seinem Stolz verletzt.
Gross schließt einen Einsatz über 90 Minuten für das Sorgenkind nicht aus. Aber der Coach verknüpft damit hohe Anforderungen und eine Leistungssteigerung des lange unter seinem Potenzial gebliebenen Hleb: «Alex hat keinen Bonus. Er muss zulegen, er muss mehr in den Sechzehner eindringen, unser Spiel beschleunigen und mehr Gefahr verbreiten.» Hier spricht die Statistik klar gegen den Star: Nur eine Torvorlage und kein eigener Treffer sind zu wenig für einen Profi von diesem Format mit einem Gehalt von angeblich sechs Millionen Euro.
Vieles spricht dafür, dass Hlebs zweite Ära bei den Schwaben nach einer Saison zu Ende ist. Den Vereinsverantwortlichen reicht die Leistung nicht, dem Profi fehlen Wertschätzung und Streicheleinheiten. «Mit Felix und Matthias hatte ich ein enges Verhältnis. Das ist jetzt anders», wies der Weißrusse wehmütig auf sein erstes Gastspiel in Stuttgart von 2000 bis 2005 hin und stichelte dabei gegen Gross.
Unter den damaligen VfB-Trainern Felix Magath und Matthias Sammer reifte das schwierige Talent zum Top-Spieler. Nicht von ungefähr verpflichtete der FC Arsenal Hleb für 15 Millionen Euro. Obwohl er beim Star-Ensemble des englischen Spitzenclubs Anlaufschwierigkeiten hatte und vorzeitig gehen wollte, setzte er sich dank der Unterstützung von Trainer Arsène Wenger durch. «In Arsenal hatte ich die besten drei Jahre meiner Karriere, aber leider nichts gewonnen», urteilte Hleb. «In Barcelona habe ich zwar nicht so oft gespielt, aber in einem Jahr sechs Titel geholt.» Von Coach Josep Guardiola schwärmt er in den höchsten Tönen - und setzt damit einen weiteren Seitenhieb gegen Gross: «Er ist jung, redet viel mit den Spielern, hat zu jedem Einzelnen Zugang und sorgt für eine gute Stimmung.»
Allerdings wird Hleb wohl trotz eines bis 2012 gültigen Vertrags nicht zu den Katalanen zurückkehren. In Xavi, Andrés Iniesta, Sergio Busquets, Yaya Touré, Seydou Keita und aufstrebenden jungen Talenten hat er dort zu große Konkurrenz. Gegen eine Verlängerung mit dem VfB sprechen das verkorkste Verhältnis zu Gross, seine bisherigen Leistungen und sein immenses Gehalt. «Ich weiß nicht, was passiert», versicherte Hleb. «Ich will jetzt erst einmal mit dem VfB in der Bundesliga in die Top 5 oder 6.» Und um seine Zukunft macht sich der zig-fache weißrussische «Fußballer des Jahres» keine Sorgen. «Ich habe auf jeden Fall zwei Top-Vereine in der Hinterhand», verriet er mit spitzbübischem Grinsen.