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VfB hofft gegen Barcelona auf Überraschung

Stuttgart (dpa) - 22.02.2010, 20:18 Uhr

Cacau (r) bejubelt eines seiner vier Tore gegen Köln.
Cacau (r) bejubelt eines seiner vier Tore gegen Köln.

Beflügelt vom 5:1-Triumph gegen den 1. FC Köln will der krasse Außenseiter VfB Stuttgart in seinem «Spiel des Jahres» gegen das Star-Ensemble des FC Barcelona eine Sensation schaffen.

Nationalstürmer Cacau kündigte nach seinem Viererpack für das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen die Katalanen den nächsten Coup an: «Wir wollen für eine Überraschung sorgen.» Und auch Trainer Christian Gross räumt seinem Team «vielleicht eine kleine Chance ein, eine Überraschung zu schaffen.» Carles Puyol äußerte vor dem Kräftemessen am 23. Februar - zumindest formal - Respekt vor dem Fußball-Bundesligisten. «Wenn wir nicht aufpassen, erleben wir ein böses Erwachen», sagte der Kapitän des Titelverteidigers. Top-Stürmer Thierry Henry warnte: «Es wird sehr schwer.»

Faktisch ist die Welt-Auswahl um Superstar Lionel Messi aber mindestens eine Nummer zu groß für die Schwaben und klarer Favorit. Alexander Hleb, der sich in Barcelona nicht wie erhofft durchsetzen konnte und für ein Jahr auf Leihbasis zum VfB zurückkehrte, bezeichnete die Chancen auf den Einzug in die nächste Runde der Königsklasse gegen seine Ex-Kollegen als «nur ganz klein, vielleicht 10:90». Natürlich wolle Stuttgart den spanischen Meister schlagen und schaffe das vielleicht auch zu Hause. «Aber dann im Rückspiel im Nou Camp...»

Trotz seiner kleinen Hoffnung auf einen Coup macht sich auch Gross keine großen Illusionen, gegen «die weltbeste Club-Mannschaft» ins Viertelfinale vorstoßen zu können. Der Schweizer, der mit dem FC Basel bereits zweimal in der Gruppenphase gegen Barcelona spielte, sagte: «Wir müssen über uns hinauswachsen, um eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu erlangen. Das ist eine Riesenherausforderung, aber wir freuen uns.» Sportdirektor Horst Heldt verschwendet ebenfalls keine großen Gedanken ans Weiterkommen: «Ich denke nicht, dass Barcelona jetzt plötzlich Angst vor uns hat, aber 5:1 ist trotzdem eine Marke.»

Insgeheim dürfte so mancher Stuttgarter aber von einem ähnlichen «Fußball-Wunder» wie bei jenem magischen 2:1-Sieg gegen Manchester United vor knapp sieben Jahren träumen. Heldt, gegen den englischen Top-Club als Spieler dabei, sagte: «Diese Partie hat gezeigt, dass Außenseiter das Unmögliche möglich machen können.»


Für Gross ist klar, dass seine Schützlinge nur dann eine Chance haben, wenn jeder «an seine Grenzen geht und eine Leistung bringt, die er noch nie abgerufen hat». Höchste Intensität, Aggressivität und Aufmerksamkeit seien gefordert. «Wir müssen sehr mutig, aber auch sehr clever sein», forderte der Coach. Der VfB könne befreit spielen, da er «überhaupt nichts zu verlieren» habe. Jens Lehmann, 2006 im Finale mit dem FC Arsenal gegen den FC Barcelona vom Platz gestellt und gescheitert, versicherte, dass der VfB natürlich Außenseiter sei, deshalb «aber nicht ehrfürchtig» sein müsse. Der Torhüter appellierte an seine Teamkollegen, «deutsche Tugenden» zu zeigen: «Dann kann es schwierig sein, uns zu schlagen. Mit unserer Mentalität können wir andere Defizite wettmachen.»

Personell sieht es beim VfB gut aus. Der gegen Köln wegen einer Entzündung im Oberschenkel fehlende Mittelfeldstratege Sami Khedira ist laut Gross «hundertprozentig fit und wird auch spielen». Dagegen sei «völlig offen», ob Vierfach-Torschütze Cacau von Beginn an auflaufe oder Ciprian Marica wieder ins Team rücke. Linksverteidiger Arthur Boka fällt wegen einer ausgekugelten Schulter etwa vier Wochen lang aus, zählte zuletzt aber nicht mehr zur Stammformation.

Der dreifache Champions-League-Gewinner Barcelona hat diesbezüglich größere Probleme. Der am Oberschenkel verletzte Spielmacher Xavi reiste zwar mit, dürfte von Trainer Josep Guardiola aber geschont werden. Definitiv fallen Mittelfeldmann Seydou Keita und Linksverteidiger Éric Abidal aus. Denkbar ist, dass Guardiola dem einen oder anderen angeschlagenen Stammspieler eine Pause gönnt. Aber auch so verfügt der amtierende Club-Weltmeister über genügend Klasse.

In jedem Fall trifft das Kräftemessen des VfB mit «Barca» auf weltweites Interesse. Wie die Stuttgarter mitteilten, wird das Spiel in 91 Ländern live übertragen. Zudem berichten 20 Radiosender. Insgesamt sind 250 Journalisten und 70 Fotografen akkreditiert. Die Mercedes-Benz Arena ist mit 39 000 Zuschauern längst ausverkauft. Nach Angaben eines VfB-Sprechers hätte der Club «die dreifache Menge an Tickets» absetzen können.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

VfB Stuttgart: Lehmann - Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro - Träsch, Khedira - Gebhart, Hleb - Pogrebnjak, Cacau

FC Barcelona: Victor Valdes - Puyol, Marquez, Piqué, Maxwell - Busquets, Touré, Iniesta - Messi, Ibrahimovic, Henry

Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

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