Statt Klinsmann'schem Harakiri-Fußball wird den Fans unter dem selbst ernannten «Prozess-Trainer» nun langweiliges Ballgeschiebe geboten. Quer- und Rückpässe sind aber kein Ausdruck von Dominanz. «Es hat in allen Bereichen nicht gepasst», gestand Butt nach dem Bordeaux-Schock. Das Aufbäumen nach der Pause war zu wenig, «da haben wir volles Risiko gespielt und hatten drei Riesenmöglichkeiten, da kann man uns nichts vorwerfen», warb Mark van Bommel um Nachsicht. Der Kapitän patzte beim ersten Tor von Yoann Gourcuff (37.). Das zweite von Marouane Charmakh (89.) war ein Gemeinschafts-Geschenk von Butt und Verteidiger Holger Badstuber. «Man hat gespürt, dass die Bayern ein geschwächtes Selbstvertrauen hatten, das haben wir ausgenutzt», kommentierte Bordeaux-Coach Laurent Blanc. Die Bayern verbreiten keinen Schrecken mehr, hieß das. Ohne Robben, der sich nach seiner Knie-Operation «noch nicht topfit» fühlt und nur als Joker dem lethargischen Team etwas Leben einhauchen konnte, sowie dem verletzten Franck Ribéry geht nichts. «Wir wissen, dass Kreativität fehlt. Wenn Ribéry und Robben fehlen, müssen wir Positionsspiel und Ordnung haben. Wir sind im Moment nicht in der Lage, den französischen Meister auszuspielen», klagte van Gaal. Das allein genügt als Begründung nicht. Bei 35-Millionen-Einkauf Mario Gomez stimmte zu Saisonbeginn immerhin die Torquote - trotzdem degradierte ihn der Coach zum Bankhocker. Van Gaals Wunschspieler Edson Braafheid und Danijel Pranjic stümperten erneut auf der linken Seite herum, die mit Ribéry und Lahm im Vorjahr noch das Bayern- Prunkstück war. «Von den Spielern sind wir nicht schlechter besetzt als Bordeaux - im Gegenteil», bemerkte Gomez vielsagend. Es herrscht Alarm in München, die Stimmung ist explosiv vor dem brisanten Duell mit Magath. Gegen Schalke gab's am 25. April 2009 zudem die letzte Heimniederlage in der Bundesliga (0:1). «Wir müssen jetzt ruhig bleiben und gegen Schalke wieder bereit sein», mahnte Robben. Sonst können selbst die Bosse kaum weiter schweigen.
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