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Milan demütigt Real - Ballack & Co. brillieren

Hamburg (dpa) - 22.10.2009, 13:37 Uhr

Real Madrids Kaka (l) und AC Mailands Ronaldinho treffen sich auf dem Platz.
Real Madrids Kaka (l) und AC Mailands Ronaldinho treffen sich auf dem Platz.

Nach der Heimpleite im Duell der erfolgreichsten Fußball-Clubs in Europa sind den «Königlichen» gleich mehrere Zacken aus der Krone gebrochen.

«Real begeht Harakiri», titelte «Marca» nach dem von vielen Fehlern begleiteten 2:3 des neunmaligen Landesmeistercup-Gewinners aus Madrid gegen den siebenmaligen Titelträger AC Mailand. «Milan feiert einen historischen Triumph», jubelte dagegen der «Corriere dello Sport».

Die Italiener, für die nicht einmal zu ihren glorreichsten Zeiten im Bernabéu etwas zu holen war, kamen ausgerechnet in dieser bisher von Enttäuschungen geprägten Saison zu ihrem ersten Sieg in Spaniens Hauptstadt. Während Real erstmals in dieser Champions-League-Vorrunde schwächelte, führen die Mitfavoriten FC Chelsea und Manchester United ihre Gruppen nach je drei Siegen mit optimalen 9 Punkten an. Das Duo steht mit einem Bein im Achtelfinale.

Bei Real fehlte Superstar Cristiano Ronaldo, Torwart Iker Casillas patzte in seinem 100. Europacup-Spiel gleich doppelt, und die gesamte Elf war neben der Spur. «Die Madrilenen verschenkten einen Sieg, den sie zur Pause fast schon in der Tasche hatten. Mit einer Vielzahl von Fehlern verhalfen sie dem schwachen Milan zum Sieg. Und der beste Torwart der Welt hatte nicht seinen besten Tag», fasste «Marca» zusammen. «As» führte den unerwarteten Rückschlag auf das Fehlen des teuersten Spielers der Welt zurück. «Man sollte Ronaldo nach Lourdes schicken, damit er seinen lädierten Knöchel in geweihtes Wasser halten kann. Eine Wunderheilung des Portugiesen ist das Einzige, was dieser Real-Elf noch helfen könnte», schrieb das Blatt über den 94- Millionen-Euro-Einkauf.

Nicht mal ein von «Oldie» Dida (36) im Stil eines Schüler-Torwarts geschenktes Tor durch Raúl brachte Ruhe in Reals Aktionen. Pirlo und der zweifache Torschütze Pato drehten das Spiel. «Ein unvergesslicher Abend», jubelte der seit Wochen in der Kritik stehende AC-Coach Leonardo. Sein Kollege Manuel Pellegrini («Wir haben nicht schlecht gespielt») wollte Reals Heimschlappe gegen den als überaltert verschrienen Gegner schönreden, erntete aber nur Hohn und Spott. «Welches Spiel hat der Coach gesehen?», fragte «Marca». «El Mundo» schrieb: «Real ist so dekadent, dass es sogar gegen eine Altherren- Elf des AC Mailand verliert. Dieses Milan ist noch mehr eine 'Vecchia Signora' (Alte Dame) als Juventus.»


Real stolperte, die anderen Favoriten überzeugten am Mittwoch. Vorjahresfinalist ManU kam dank Antonio Valencia zum 1:0 bei ZSKA Moskau und stellte mit dem 14. Auswärtsspiel in Serie ohne Niederlage den Königsklassen-Rekord von Ajax Amsterdam ein. «Darauf können wir stolz sein», sagte Coach Alex Ferguson, «es ist nicht einfach, in Europa zu bestehen. Man braucht Reife, und die haben wir gezeigt.»

Angeführt von dem nach auskurierter Knöchelverletzung stark auftrumpfenden Michael Ballack fertigte Chelsea an der heimischen Stamford Bridge Atletico Madrid mit 4:0 ab. Neben Salomon Kalou (2) und Perea (Eigentor) traf auch Frank Lampard nach zweimonatiger Flaute wieder ins Schwarze und eroberte mit seinem 133. Tor Rang 5 in der ewigen Club-Rangliste. «Ich freue mich für ihn. Er ist ein sehr großzügiger, selbstloser Spieler», lobte Coach Carlo Ancelotti. «Wir kontrollieren nun die Gruppe, aber wir wollen Erster werden. Das ist wichtig für unser Weiterkommen in der Champions League.»

Hinter Chelsea (9 Punkte) festigte der FC Porto (6) dank seines Doppeltorschützen Hulk beim 2:1 gegen APOEL Nikosia Rang zwei in Gruppe D vor APOEL und Atletico (je 1). Nach der erneuten Schlappe ist die Zeit des umstrittenen Atletico-Coaches wohl abgelaufen. «Das Schicksal von Trainer Abel Resino ist besiegelt. Seine Entlassung ist eine Frage von Stunden», glaubt «Marca». Clubchef Enrique Cerezo betonte: «Nun muss etwas geschehen. So kann es nicht weitergehen.» Dies bedeutet meist: Trainerwechsel. Als Favoriten für die Nachfolge gelten Michael Laudrup und Luis Aragonés. Aber auch Bernd Schuster und Fatih Terim werden gehandelt.

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