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Torlos-Bayern betrübt - Sorge um Robben

München (dpa) - 01.10.2009, 13:41 Uhr

Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt behandelt Arjen Robben (l) auf dem Platz.
Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt behandelt Arjen Robben (l) auf dem Platz.

Nur der goldene Schuss ins Glück fehlte. Trainer Louis van Gaal hatte in seiner Amtszeit «noch nie so ein gutes Bayern gesehen», auch Manager Uli Hoeneß schwärmte nach der attraktiven Champions-League-Nullnummer gegen Juventus Turin von einer «überragenden ersten Halbzeit».

Aber trotz der behaupteten Tabellenführung stand der deutsche Fußball-Rekordmeister in der ausverkauften Allianz Arena recht betrübt da - und nicht nur die Befürchtung einer schweren Knieverletzung bei Millionen-Einkauf Arjen Robben drückte doch arg aufs Gemüt.

«Wir haben Juve dominiert», stellte Philipp Lahm stolz fest, aber der Kapitän rügte auch unverblümt das Versagen im Abschluss: «Wenn man in der ersten Hälfte dreimal allein auf den Torwart zuläuft, muss man ein Tor machen in der Champions League. Normal kriegt man da nicht so viele Chancen. Wir müssen mal wieder 1:0 in Führung gehen.»

Statt komfortable fünf Punkte Vorsprung auf Juve zu haben, liegen die Bayern nach dem 2. Spieltag nun mit «nur» vier Zählern gleichauf mit dem kommenden Gegner Girondins Bordeaux an der Spitze der Gruppe A vor Juve (1) und Maccabi Haifa (0). «Heute hätten wir einen Riesenschritt machen können, das ist ärgerlich», trauerte Torhüter Jörg Butt den zwei verschenkten Big Points nach. «Die Gruppe ist wahrscheinlich die schwerste von allen», stöhnte Hoeneß und orakelte: «Da darfst du möglichst kein Spiel verlieren.»

Die italienischen Medien bejubelten am Donnerstag Juves Abwehr- «Mauer», feierten wie die «Gazzetta dello Sport» einen «goldenen Punkt». Der Ex-Bremer Diego, der nicht brillieren konnte, wurde wegen der «Entdeckung als großer Verteidiger» gefeiert, weil er in höchster Not im eigenen Strafraum einen Treffer des Bayern-Youngsters Thomas Müller verhindert hatte. «Wir sind nicht ganz zufrieden», sagte Diego, «aber in der Gruppe ist alles offen.»


Aber nur, weil bei Bayern vor dem Tor Flaute herrscht. Namhafte und auch teure Stürmer en masse haben die Münchner, aber keiner knipst am Fließband wie es einst der gegen seine Landsleute auf die Tribüne verbannte Weltmeister Luca Toni tat. 30-Millionen-Einkauf Mario Gomez hat van Gaal zum wirkungslosen Joker zurückgestuft, Toni findet er nicht fit - und Miroslav Klose verstolperte auch noch aus wenigen Metern die letzte Bayern-Großchance (60.). Zwischen Pech wie bei der zirkusreifen Solo-Nummer des in der Königsklasse wieder wie aufgedreht wirbelnden Franck Ribéry und Unvermögen bewegten sich die Bayern-Angreifer. «Aber wenn wir so spielen, ist das eine Frage der Zeit», kommentierte van Gaal (noch) nachsichtig.

Die Bayern demonstrierten vor 66 000 Zuschauern mit gleich fünf Eigengewächsen in der Startformation - aber ohne den nächsten zum Bankdrücker degradierten Millionen-Zugang Anatoli Timoschtschuk - internationale Reife gegen ein europäisches Schwergewicht. «Wir haben gesehen, dass wir auf höchstem Niveau mitspielen können», erklärte Hoeneß, auch wenn Nationalspieler Bastian Schweinsteiger diese Einschätzung etwas relativierte: «Juve ist eine gute Mannschaft, aber Barcelona und Manchester stehen nochmal eine Stufe höher.»

Und van Gaal sucht bei Bayern auch nach wie vor sein ideales Team, tauscht Personal und Systeme weiterhin in atemberaubendem Tempo. «Jetzt sollte man mal an den Spielern festhalten und auch am System», bemerkte Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg als «Sky»-Experte. Doch Robbens Verletzung könnte alles wieder auf Null zurücksetzen. Der Niederländer hatte sich vor der Pause das Knie verdreht, befürchtete selbst eine «schwere» Verletzung, wie van Gaal besorgt berichtete. Die genaue Diagnose wird am Donnerstag erwartet. Ohne Tempo-Dribbler Robben würde im 4-3-3-System das passende Gegenstück zu Ribéry auf den Flügeln fehlen - van Gaal müsste womöglich erneut umdenken.

Sofortiges Umschalten von Champions League auf den Liga-Alltag verlangte Hoeneß. Lukas Podolski soll zumindest auf dem Platz nichts zu lachen haben bei der Rückkehr mit dem 1. FC Köln nach München. «Jetzt müssen wir in der Bundesliga schauen, dass wir den Abstand so schnell wie möglich verkleinern», erklärte Hoeneß.

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