Frust statt Freude - Toni spürt van Gaals Härte
München (dpa) - 30.09.2009, 13:59 Uhr
Luca Toni muss kniet bei einem Spiel enttäuscht auf dem Platz.
Unter Louis van Gaal hat Luca Toni weiter nichts zu lachen. Ausgerechnet beim Wiedersehen mit seinen italienischen Weltmeister-Freunden im Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Juventus Turin darf sich der 32-Jährige nicht einmal warmlaufen. Toni darf als nur als Tribünengast das Duell der nationalen Fußball-Rekordmeister verfolgen. «Der Spieler denkt immer, dass er zu hundert Prozent fit ist. Aber das ist er nicht. Ich entscheide das», hatte van Gaal kurz und knapp die für «unseren Freund Toni» frustrierende Maßnahme begründet. Toni bekommt nach monatelanger Verletzungspause die harte Hand des strengen Fußball-Strategen van Gaal zu spüren. Zweimal musste der Liga-Torschützenkönig der Saison 2007/08, der in seinen ersten Bayern-Spielzeiten 38 Tore in 56 Bundesligaspielen erzielt hatte, schon bei den Münchner Amateuren in der 3. Liga ran. Brav verkündete er nach und vor Spielen gegen Provinz-Mannschaften, deren Namen er vor allzu langer Zeit nicht mal gehört hatte, dass das kein Problem sei. Nun klangen aus italienischen Medien erstmals andere Töne an. «Ich fühle mich gut und bin es ehrlich gesagt leid, nicht dabei zu sein», sagte der Stürmer, der so gerne wieder bei den «großen Bayern» auf Torejagd gehen will. Auch für den Traum von der WM in Südafrika.
Doch die Wünsche der Spieler sind van Gaal reichlich egal. Er allein entscheidet. Ohne Rücksicht auf Namen, strikt nach dem von ihm bemessenen Leistungsprinzip. So fand sich Franck Ribéry nach seiner Verletzung ebenfalls länger als ihm lieb war auf der Bank wieder. Rekordeinkauf Mario Gomez musste häufiger raus als er es gerecht fand. Andererseits gelang den Nobodys Holger Badstuber und Thomas Müller unter dem Niederländer ein kometenhafter Aufstieg. «Das Problem, dass Louis van Gaal hat, ist die Qual der Wahl», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und rechnet mit weiteren Härtefällen. «Das wird auch mal zur Unzufriedenheit führen, da braucht man kein Prophet zu sein.» Anders als etwa auf der Außenverteidiger-Position, wo Philipp Lahm mal rechts, mal links und dann wieder rechts die Lücken stopfen muss, hat van Gaal in der Spitze ein Überangebot. Und im gerne gewählten 4- 3-3 braucht er dort nur einen Mann. «Wir haben vier andere Stürmer, Toni bekommt mehr Zeit für die Rehabilitation», betonte der knorrige Coach, der es den Profis nicht gerade leicht macht. «Ich bin fanatisch beim Training, das ist schwierig für die Spieler.» |