Marica: In Rumänien ein Star, in Stuttgart Ersatz
Bukarest (dpa) - 29.09.2009, 13:30 Uhr
Stuttgarts Marica (l) springt im Spiel gegen Timisoara zum Ball.
Bukarest (dpa) - Viele schöne Tage hatte Ciprian Marica noch nicht beim VfB Stuttgart. Umso mehr freute er sich auf das Spiel in der Fußball-Champions-League gegen Unirea Urziceni in seiner Heimatstadt Bukarest. Gegen den rumänischen Meister setzte er auf besondere Unterstützung: «Meine ganze Familie will das sehen», sagte er vor der Partie. «Ich habe erst einmal 15 Karten für das Spiel besorgen müssen.» Die rumänischen Medien interessierten sich auch besonders für ihn. Sonst ist Marica nicht so gefragt. In Stuttgart sitzt er meist nur auf der Ersatzbank. Er gilt als Fehleinkauf, weil er 2007 rund acht Millionen Euro Ablösesumme kostete, seitdem in 58 Bundesliga-Spielen aber nur sechs Tore geschossen hat. Kosten und Nutzen stehen bei ihm in einem schlechten Verhältnis, der VfB hatte sich von ihm mehr versprochen. Marica weiß das. Er sagt: «Natürlich bin ich nicht zufrieden. Aber ich bin erst 23 Jahre alt und kann noch viel lernen.»
Marica ist kein hoffnungsloser Fall, in Rumänien etwa ist er ein Star und festes Mitglied der Nationalmannschaft. Mit 16 Jahren wurde er Profi, mit 17 Nationalspieler, mit Schachtjor Donezk gewann er zweimal die ukrainische Meisterschaft. So etwas hat niemand in seiner Vita, der es nicht kann. Marica setzt sich aber auch selbst stark unter Druck. «Ich will in Stuttgart unbedingt zeigen, was ich anderswo schon gezeigt habe. Vielleicht denke ich auf dem Platz zu viel nach», meint er. Das und die Bürde der hohen Ablösesumme lassen ihn häufig verkrampfen. «Er ist ein Spieler, mit dem man mehr reden muss als mit anderen», hat sein Teamchef Markus Babbel einmal gesagt. Beim VfB registriert man genau, dass Marica sich reinhängt. Beim 3:0-Sieg in Frankfurt durfte er mal wieder von Beginn an spielen. Der Rumäne stand zwar im Schatten des zweifachen Torschützen Julian Schieber, war nach dem Spiel aber dennoch froh. «Ich glaube an meine Stärken und bin mir sicher, dass ich sie hier noch zeigen kann», sagte er. Dass sich der VfB erst finden muss in dieser Saison und die Hierarchie durch den Weggang von Mario Gomez durcheinandergeraten ist, ist für ihn ein Vorteil. «Mario war immer die Nummer eins. Jetzt haben wir vier gute Stürmer zur Auswahl», betont Marica. In seiner Heimat halten ihn die meisten für den besten Angreifer des Landes. Trotzdem bekam er dort nach seinem letzten Auftritt mit den Stuttgartern Ärger. Der Präsident des FC Timisoara warf ihm nach dem Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation vor, dass er einen Elfmeter für den VfB herausgeholt habe. Dass hätte er gegen einen rumänischen Club nicht tun dürfen. Marica schüttelt den Kopf darüber, freute sich aber dennoch auf das Spiel gegen Urziceni. Dort wartet nicht der Präsident des FC Timisoara im Stadion. Sondern seine Familie.
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