Novize Babbel zwischen Schulbank und Königsklasse
Stuttgart (dpa) - 16.09.2009, 12:56 Uhr
Markus Babbel ist erstmals als Trainer in der Champions League aktiv.
Seinen Spielern verordnet Markus Babbel per Rotation immer wieder Ruhepausen, für den Stuttgarter Teamchef selbst gibt es in seiner Premieren-Saison als Trainer in der Champions League keine Zeit zum Verschnaufen. Doch er hat den Spagat zwischen seiner Trainerausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln und der sportlichen Präsenz in drei Wettbewerben mit dem VfB Stuttgart voll akzeptiert. «Fakt war, dass ich den Schein machen muss, um Cheftrainer bleiben zu dürfen», sagte Babbel, der mit 37 Jahren als jüngster der 32 Coaches sein Trainer-Debüt in der europäischen Fußball-«Königsklasse» gibt. «Ich ziehe das mit vollstem Engagement durch, mit allem, was mein Körper hergibt.» In den Wochen, in denen er mit dem schwäbischen Bundesligisten seine ersten Auftritte als Trainer auf der Millionen-Bühne Champions League absolviert, schwänzt der ehemalige Weltklasse-Verteidiger beim Lehrgang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Schulbank. Das gilt es bei einer Präsenzpflicht von 25 Wochen während der zehnmonatigen Ausbildung auszugleichen. «Bis jetzt ist das kein Problem, da bin ich in den normalen Zahlen. Durch die englischen Wochen kann nun aber die ein oder andere Fehlzeit dazu kommen», erklärte er in einem DFB- Interview. «Das ist in einem gewissen Rahmen erlaubt, und den muss ich halt ausnutzen - und das Pensum nacharbeiten, das ich verpasse.»
«Für mich als jungen Trainer ist es eine große Herausforderung, so einen alten Taktikfuchs vielleicht einmal ausstechen zu können», sagte er mit Blick auf die 61 Jahre alte Trainer-Legende Walter Smith von Auftakt-Gegner Glasgow Rangers, der mit den Schotten bereits in den 90er Jahren sieben Meisterschaften gefeiert und sie zuletzt zu ihrem 52. nationalen Titel geführt hat. «Mit dem, was er erreicht hat, ist er in gewisser Weise auch ein Vorbild für mich.» Bereits als Spieler beim Hamburger SV, Bayern München, dem FC Liverpool und zuletzt in Stuttgart hat der Ex-Profi seine früheren Coaches genau beobachtet. «Ich habe immer versucht, das mit rauszuziehen, was mir persönlich gut gefallen hat.» In seiner kurzen Trainerkarriere hat Babbel aber bereits ein eigenständiges Profil entwickelt und setzt seine Vorstellungen zielstrebig um. So lässt er sich auch von ersten kritischen Tönen angesichts des schwachen Bundesliga-Starts mit dem VfB nicht von seinem Rotationsprinzip abbringen, das er sich einst bei Ottmar Hitzfeld abgeschaut hat und das er in Stuttgart noch konsequenter umsetzt als sein früherer Lehrmeister. «Für mich wird da zu viel Tamtam drum gemacht», sagte er. «Ich versuche einfach immer, die bestmögliche Mannschaft auf den Platz zu bringen. Das ist auch eine Wertschätzung für jeden einzelnen Spieler.»
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