Werders Chancen auf Champions League noch intakt
Bremen (dpa) - 16.08.2007, 12:23 Uhr
Harnik, Mertesacker und Naldo (v.l.n.r.) gratulieren Daniel Jensen (r) zum 2:1.
Erst geschlafen, dann gekämpft und schließlich für die Moral belohnt: Werder Bremens Profis haben die Vorgabe ihrer Chefetage wenigstens zur Hälfte erfüllt und sich mit 45 Minuten Leidenschaft im Rennen um die Champions League gehalten. «Wir haben den ersten Teil erfolgreich erledigt. Das war der wichtigste Fortschritt. Aber Zauberfußball kann man von unserer Mannschaft momentan nicht erwarten», sagte Trainer Thomas Schaaf nach dem glücklichen 2:1 (0:1)-Sieg über den kroatischen Meister Dinamo Zagreb und wirkte auch mit Blick auf das Bundesliga-Duell gegen Rekordmeister Bayern München recht angespannt. Werder fährt mit dem leichten Vorteil nach Zagreb, dass bereits ein Unentschieden zur erneuten Qualifikation für die Gruppenphase reicht. Das war auch für Geschäftsführer Klaus Allofs entscheidend, der von seinem Rumpfteam im Vorfeld «Herz, Begeisterung und Leidenschaft, Kampfgeist und Verbissenheit» eingefordert hatte. Der 50-Jährige war ebenso wie der Großteil der nur 26 136 Zuschauer im Weserstadion erleichtert, dass die verletzten Teilzeit-Rückkehrer Hugo Almeida (46.) und Daniel Jensen (85.) die verdiente Gäste-Führung durch Bosko Balaban (45.) noch drehten. «Ich habe mich heute zum ersten Mal körperlich richtig frei gefühlt», gestand Jensen und beendete die Spekulationen um seine Zukunft in Bremen. «Ich bin da von einigen dänischen Zeitungen falsch zitiert worden. Ich habe nie gesagt, dass ich weg will.»
Die aktuellen Bremer Probleme waren an den drei Brasilianern exemplarisch zu belegen. Abwehr-Recke Naldo, sonst Turm in der Schlacht, leistete sich ungewohnte Fehler. Zauberer Diego wurde von seinem kroatischen Pendant Luka Modric, für den zweistellige Millionen-Offerten europäischer Top-Clubs vorliegen sollen, in den Schatten gestellt. «Beide haben praktisch ohne körperlichen Aufbau aus der Vorbereitung gespielt», beschrieb Allofs das Dilemma. Carlos Alberto schließlich, der Acht-Millionen-Einkauf von Corinthians Sao Paulo, ist noch nicht wirklich in Bremen angekommen. «Je mehr wir zusammenspielen, umso besser wird das», versprach Diego. «Er kann noch nicht die Bindung haben», sagte Schaaf. «Wir müssen ihm Zeit geben.» Zeit, die man nicht hat. Nur drei Tage nach dem ersten Highlight der Saison erwartet das letzte Werder-Aufgebot die mit 70 Millionen Euro aufgerüsteten Bayern zum ersten Bundesliga-Gipfel im heimischen Weserstadion. «Die Bayern haben einen sehr guten Start erwischt. Wir sind ein bisschen in der Außenseiterrolle. Ich bin optimistisch, dass man das nicht so doll sehen wird», sagte Kapitän Frank Baumann, der wie der Großteil seiner Kollegen nicht ohne Verletzung durch die Vorbereitung gekommen ist. |
Auch das Rückspiel am 29. August in Kroatiens Hauptstadt wird kein Selbstgänger. «Was dort abgeht, kann man eigentlich nicht beschreiben. Da kommen die Fans eine Stunde vor dem Spiel ins Stadion und singen. Beim Anpfiff singen sie immer noch, und nach dem Spiel geht es ewig weiter», schilderte Dinamos deutscher Torwart Georg Koch die Atmosphäre im 40 000 Zuschauer fassenden Maximir-Stadion. Den Bremern macht das keine Angst. Der Großteil von ihnen hat in den vergangenen drei Jahren schon so manchen Champions League-Hit bestritten. Zudem ist Allofs überzeugt: «Wir werden in 14 Tagen eine ganz andere Mannschaft sehen.» Koch prophezeit seinen ehemaligen Bundesliga-Kollegen dagegen das Aus und den damit verbundenen «Abstieg» in den UEFA-Cup: «Zagreb wird in die Champions League einziehen, weil ich Werder heute gesehen habe und nicht glaube, dass man in nur zwei Wochen so viel ändern kann.»
 |