Bayern träumen: «Im Halbfinale ist alles möglich»
München (dpa) - 10.04.2007, 16:15 Uhr
Ottmar Hitzfeld (r) unterhält sich beim Training im Giuseppe Meazza-Stadion mit Owen Hargreaves.
Sechs Jahre nach dem Titelgewinn will Bayern München endlich wieder ins Halbfinale der Champions League stürmen - und insgeheim gehen die Träume schon weiter. «Wenn du im Halbfinale wärest, ist wirklich alles möglich», sinnierte Manager Uli Hoeneß vor dem Viertelfinal-Rückspiel gegen den AC Mailand. Der Marsch ins dritte Champions-League-Finale nach 1999 und 2001 muss nach dem 2:2 in Mailand womöglich auch ohne den angeschlagenen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger gelingen. Er soll aber auf keinen Fall vom italienischen Angstgegner mit Bayern-Schreckgespenst Filippo Inzaghi gestoppt werden. «Es wird ein Spiel auf Messers Schneide», glaubt Trainer Ottmar Hitzfeld, der Siegesgewissheit verbreitete: «Ich gehe davon aus, dass wir uns für das Halbfinale qualifizieren werden - egal wie.» Positiv ist, dass die «Leitwölfe» Oliver Kahn und Mark van Bommel nach ihren Hinspiel-Sperren wieder dabei sind. «Mit Van Bommel sind wir stärker präsent auf dem Platz. Er ist ein Anführer wie Kahn», sagte Hitzfeld. Auch Abwehrchef Lucio, Hasan Salihamidzic und Owen Hargreaves sind wieder fit, während nach Mehmet Scholl (Faserriss) auch Abwehrspieler Martin Demichelis (Zerrung) definitiv ausfällt.
Wie schon beim Achtelfinal-Erfolg gegen Real Madrid setzen die Bayern große Hoffnungen in die 66 000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena. «Ich hoffe, dass wir es wieder schaffen, dass wir praktisch mit 12 gegen 11 spielen», sagte Van Bommel. «Zuhause sind wir eine Klasse stärker. Der Heimvorteil macht noch einmal 20 Prozent aus», sagte Hitzfeld. Nur sechs von bislang 57 Heimspielen in der Champions League hat Bayern verloren - aber noch im Olympiastadion. Nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez aus Spanien sind die Bayern beim Stand von 0:0 erst einmal weiter - ein weiterer psychologischer Vorteil. Aber auf ein torloses Zitterspiel oder ein mögliches 1:1, das ebenfalls zum Weiterkommen reichen würde, wollen sie sich nicht einlassen. «Auf ein Unentschieden zu spielen, ist gegen Italiener zu gefährlich», warnte Torjäger Roy Makaay. Lukas Podolski empfiehlt die erfolgreiche Überfalltaktik des Real-Spiels, als Makaay beim 2:1-Erfolg nach 10,03 Sekunden das schnellste Tor der Champions-League-Geschichte erzielte: «Das 1:0 machen - und dann kontern.» |
Erst, wenn es dem Spielende zugeht und nicht mehr anders gehen sollte, will Van Bommel Beton anrühren: «Wenn es nach 75 Minuten 0:0 oder 1:1 steht, werden wir versuchen, das Ergebnis zu verteidigen.» Hitzfeld sieht aber grundsätzlich bessere Chancen in einer Art Vorwärts-Verteidigung. Man müsse die Mailänder «in der Defensive beschäftigen». Er setzt «gegen elf Individualisten» auf das bessere Kollektiv: «Ich setze auf die Mannschaftsleistung.» Kapitän Kahn erwartet ein «enges, hartes Spiel» und forderte: «Wir müssen über 100 Prozent geben.» Hasan Salihamidzic versprach «Feuer für Milan». Der Bosnier wird wohl für Willy Sagnol (Meniskus-Operation) die rechte Verteidiger-Position einnehmen. Wer vor Salihamidzic auf dem rechten Flügel agieren wird, ist die offene Frage. Christian Lell sorgte dort nach seiner Einwechslung in Mailand für viel Druck. Auch Hargreaves könnte den Job übernehmen, wenn Hitzfeld den formstarken Andreas Ottl neben Van Bommel im Mittelfeldzentrum belassen sollte. Ein echtes Problem würde Hitzfeld haben, wenn Schweinsteiger ausfiele. «Er ist stark gefährdet», berichtete der Coach besorgt. Das geschwollene Knie des Nationalspielers ist punktiert worden. «Das war unbedingt notwendig», sagte Hitzfeld. Der vermeintliche Vorteil, dass bei Milan im Angriff neben dem nicht spielberechtigten Brasilianer Ronaldo auch Alberto Gilardino (Gelb-Sperre) zuschauen muss, könnte sich als trügerisch erweisen. Denn in der Not setzt AC-Coach Carlo Ancelotti auf Inzaghi. Und den 33-Jährigen fürchten die Bayern neben Superstar Kaka immer noch am meisten beim Gegner. «Inzaghi ist genauso unangenehm wie Gilardino», meinte Makaay. Hitzfeld fürchtet vor allem die Fallsucht des Italieners im Strafraum, nennt Inzaghi darum «den Schauspieler». Inzaghi hat sich in der Vergangenheit mehrmals als Albtraum für den FC Bayern erwiesen: Beim Vorrunden-Aus des Rekordmeisters schoss er beim Mailänder 2:1 in München beide Treffer, beim 2:1 im Rückspiel machte Inzaghi das Siegtor. Und vor einem Jahr, als die Bayern beim Achtelfinal-K.o. gegen Milan im Rückspiel mit 1:4 untergingen, war es wiederum «Super-Pippo», der gleich zwei Mal gegen Kahn zuschlug. «Ich mache mir nicht so viele Gedanken um Inzaghi», sagte Kahn äußerlich gelassen: «Ich konzentriere mich auf meinen Job.»
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