Doll genießt seltenes Glück nach HSV-Sieg
Hamburg (dpa) - 07.12.2006, 14:39 Uhr
HSV-Trainer Thomas Doll reißt nach dem Sieg gegen ZSKA Moskau die Arme hoch.
Der totgesagte Hamburger SV hat ein Lebenszeichen von sich gegeben und dem angezählten Trainer Thomas Doll ein selten gewordenes Glücksgefühl beschert. «Es ist schön zu wissen, wie sich ein Sieg anfühlt», befand der Fußball-Lehrer mit leuchtenden Augen, ehe er sich an seine Kritiker wandte: «Man sieht, dass ich die Spieler noch erreiche.» Das 3:2 seiner Mannschaft zum Champions-League-Ausstand gegen ZSKA Moskau werteten der zähe Coach und die Schmerz erprobten Fans als Aufbruch des dümpelnden HSV. «Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut», bekannte Verteidiger Bastian Reinhardt Minuten nach der furiosen Partie, die mit einem Tor des eingewechselten Boubacar Sanogo in der 90. Minute entschieden wurde. «Wir haben eine unglaubliche Moral bewiesen. So muss es weitergehen.» Die ungewohnt leidenschaftlich kämpfende Mannschaft, die in dem erstmals von Beginn an aufgebotenen agilen Angreifer und Torschützen Besart Berisha eine hoffnungsvolle Sturm-Alternative besitzt, begeisterte die Massen auf den Rängen.
Der Freudenrausch hätte noch intensiver sein können, wäre da nicht der Ausraster von Thimothee Atouba gewesen. Sein Amoklauf mit gezücktem Stinkefinger gegen das eigene Publikum war eine Entgleisung übelster Sorte. Weil die Zuschauer seine Fehlleistungen, die zu den Gegentoren der Russen führten, mit Pfiffen quittierten, drehte Atouba durch und erzwang seine Auswechslung. Während die einen den Kameruner am liebsten mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt hätten, zeigte Doll Verständnis: «Es tut weh, wenn man ausgepfiffen wird. Man muss ihn nicht öffentlich an die Wand nageln. Er wird weiter für uns Fußball spielen.» So mitreißend das Geschehen auch war: Die Mannschaft muss nachlegen, sonst bleibt der zweite Erfolg im 24. Saisonspiel ein Muster ohne Wert. Der Trainer machte deshalb klar: «Ich werde die Jungs an diesem Spiel messen.» Seinen Schützlingen ist das recht. Sie erneuerten unterdessen den Treueschwur zu Doll: «Wir haben heute gezeigt, dass wir mit unserem Trainer weiter arbeiten wollen. Wir stehen alle hinter ihm», sagte Kapitän Rafael van der Vaart.
|