«Barca» Champions-League-Sieger - Rot für Lehmann
Paris (dpa) - 17.05.2006, 23:13 Uhr
«Barca»-Kapitän Puyol (l) und seine Mitspieler bejubeln den Siegtreffer.
Statt der erhofften Krönung seiner erfolgreichsten Saison beim FC Arsenal hat Jens Lehmann ausgerechnet im Champions-League-Finale einen rabenschwarzen Abend erlebt. Nach einer Roten Karte für den deutschen WM-Torhüter in der 18. Minute endete die Erfolgsstory der Londoner in Paris im 51. Landesmeister-Finale mit dem 1:2 (1:0) gegen das Starensemble des FC Barcelona. Vor 77 500 Zuschauern im ausverkauften Stade de France sorgte ein Doppelschlag durch Samuel Eto'o (76.) und Juliano Belletti (80.) für die Entscheidung zu Gunsten des frisch gebackenen spanischen Meisters, nachdem Sol Campbell (37.) die «Gunners» per Kopfball in Führung gebracht hatte. Während die Katalanen nach 14 Jahren auf Europas Fußball-Thron zurückkehrten, muss der FC Arsenal weiter auf den ersten internationalen Titel seit dem Gewinn des Pokalsieger-Wettbewerbs 1994 warten. Nach insgesamt 995 Champions-League-Minuten ohne Gegentor konnte die Abwehr der Engländer dem Druck des in Überzahl spielenden Gegners am Ende nicht mehr Stand halten.
Während sich seine Nationalmannschafts-Kollegen im Regenerations- Trainingslager auf Sardinien von der Strapazen der Saison erholen und für die WM einstimmen, wurde Lehmann im WM-Endspiel-Stadion von 1998 zur tragischen Figur. Der in der europäischen Königsklasse bis dahin 12:44 Stunden unbezwungene Torhüter holte knapp außerhalb des Strafraums Barcelonas Torjäger Eto'o von den Beinen und sah wegen der «Notbremse» die Rote Karte vom norwegischen Schiedsrichter Terje Hauge. Für den UEFA-Pokal-Gewinner von 1997, der bis zu seinem Ausschluss erst zwei Ballkontakte bei Schüssen von Ludovic Giuly (9.) und Deco (17.) hatte und völlig konsterniert den Rasen verließ, ging Ersatzkeeper Manuel Almunia zwischen die Pfosten. «Ich habe mich verschätzt und bin einen Tick zu spät gekommen, das war nicht gut, das ist klar», schilderte Lehmann die wahrscheinlich Spiel entscheidende Szene in der 18. Minute. «Das ist ein Moment, über den man sich ärgern muss. Trotzdem hatten wir noch Chancen. Barcelona ist sehr spielstark, aber irgendwann wussten auch die nicht mehr weiter», sagte der enttäuschte Schlussmann. «Ich glaube nicht, dass er einen großen Fehler gemacht hat», nahm Arsenal-Trainer Arsene Wenger seinen Keeper in Schutz. «Er hat eine großartige Champions-League-Saison gespielt. Ich glaube nicht, dass er sein Selbstvertrauen verloren hat.» |