Jens Lehmanns neue Fußball-Lust
London/Paris (dpa) - 15.05.2006, 13:01 Uhr
Jens Lehmann beim Arsenal-Training.
Jahrelang war Jens Lehmann eher eine Randfigur im großen Fußball-Geschäft, doch seit der Berufung zum deutschen WM-Torwart hat sich alles verändert. Plötzlich steht «Mad Jens» permanent im Rampenlicht. Auch am 17. Mai betritt er als einziger Deutscher im Finale der Champions League wieder die große Fußball-Bühne. Während für seine Nationalmannschaftskollegen zu Beginn der WM-Vorbereitung der Test gegen den Amateurverein FSV Luckenwalde ansteht, bereitet sich Lehmann schon gut drei Wochen vor dem WM-Start auf das Spiel seines Lebens vor. Das Endspiel mit dem FC Arsenal gegen den FC Barcelona in Paris bezeichnet der 36-Jährige selbst als vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere. «Der WM-Titel ist das Größte. Aber gleich danach kommt der Champions-League-Titel», sagte Lehmann. Das Traumfinale mit dem Duell gegen dem brasilianischen Weltstar Ronaldinho wird für Lehmann auch zum WM-Testlauf. Ein Sieg mit Arsenal wäre «ein positives Signal».
Lehmanns Leben hat sich durch die Entscheidung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, ihn und nicht Oliver Kahn zum deutschen Schlussmann für die WM zu benennen, grundlegend geändert. Statt dem drohenden Aus der internationalen Laufbahn, stehen nach vier Turnieren auf der Ersatzbank nun doch noch die ersten WM-Einsätze an - und dazu jede Menge Aufmerksamkeit durch die deutsche Öffentlichkeit. Interviews wie am Fließband und TV-Auftritte hätten für Lehmann als Verlierer des Torwart-Duells sicherlich nicht auf dem Programm gestanden. Nicht nur in Deutschland, auch in seiner Wahlheimat England haftete Lehmann lange ein krudes Image an. Arrogantes Verhalten lautete das gängige Urteil, dem sich der ehemalige Schalker und Dortmunder nur schwer entziehen konnte. Nun als Siegertyp in den Fokus gerückt, lernen ihn seine eigenen Landsleute als geselligen Menschen kennen, der sich als ehemals regelmäßiger Disco-Gänger outet, über die meist strenge Erziehung seiner drei Kinder redet und den christlichen Glauben als Stütze seines Lebens bezeichnet. Sogar eine Freundschaft mit seinem Rivalen Kahn hält Lehmann nicht für ausgeschlossen, wenn er ihn einmal richtig kennen lernen würde. |